Der Virus breitet sich in Deutschland aus. Und auch in Berlin sind neue Fälle bekannt. 
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BerlinNachdem an dieser Stelle in den vergangenen beiden Wochen im weitesten Sinne Modethemen Niederschlag gefunden haben, können wir die Trilogie heute komplettieren. Auf den ersten Blick wirkt alles normal, es sieht sogar gut aus da draußen, fast könnte sich ein Gefühl von Stolz entwickeln – auf diese Stadt und die Mitmenschen, die trotz Corona-Virus so gelassen unterwegs sind. Scheinbar.

Der Besuch in manch’ einem Supermarkt legt dann ernüchternd den Verdacht nahe, dass es mit der Gelassenheit hinter der Fassade vielleicht doch nicht so weit her ist. Die Wasser-Regale sind trocken gelegt, auch auf den Webseiten mancher Getränkelieferanten steht bei zahlreichen Sorten: „Momentan nicht lieferbar“. Welch ein Glück, dass noch keine Hysterie ausgebrochen ist.

Wo sind die ganzen ausverkauften Masken hin?

Auch ein Ausdruck, der im Fenster einer Apotheke hängt und ankündigt, dass nun wieder Mundschutz erhältlich sei, sät Zweifel an der flächendeckenden Besonnenheit von Teilen der Bevölkerung. Über die Risiken und Nebenwirkungen der nur sehr eingeschränkten Tauglichkeit des Papier-Accessoires informiert der Apotheker auf dem Zettel nicht.

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Wo sind diese ganzen zwischenzeitlich ausverkauften Masken eigentlich hin? Im Alltag ist praktisch niemand damit zu sehen. Allerdings führt uns der Mundschutz endlich zum eigentlichen Ausgangspunkt – der Mode.

Gleich drei Menschen trugen in den vergangenen zwei Tagen Mundschutz aus dickem Stoff, nicht diesen dünnen, unnützen Firlefanz. Die Masken sahen stylish aus, eher wie ein Accessoire denn ein klinisches Produkt: Ein junger Mann trug ein schwarzes Modell mit Nieten an der oberen Kante, eine Mutter mit Kind wählte bunte Muster für den Nachwuchs und einen multiplen Panda-Aufdruck für sich selbst.

Schon erstaunlich, wie Corona alles überlagert

Virenschutz schützt vor Eitelkeit nicht, also muss der handelsübliche weiße oder Zahnarzt-hellblaue Zellstoff edleren und individuellen Varianten weichen, idealerweise gleich in mehreren Farbvariationen, die zum jeweiligen Outfit des Tages passen. Frei nach dem Motto: Wer Coron-a sagt, muss auch Coron-b sagen. Das war ein Sparwitz, meinen Sie? Stimmt, aber der reiht sich wenigstens ein in die Kommentare, mit denen Teile der Umwelt momentan jedes Räuspern oder Hüsteln mit einem Corona-Verweis quittieren, mal ernst gemeint, mal zotig, fast immer dümmlich und unnötig. In solchen Momenten erschließt sich der Ursprung von Sprichwörtern: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Gar nicht lustig ist übrigens eine andere Corona-Nebenwirkung: Es ist schon erstaunlich, wie schnell aus der Mode gekommen ist, über einen anderen grassierenden Virus zu sprechen, über ihn zu berichten, dringend notwendige Schutz- und Abwehrmaßnahmen zu diskutieren und einen Impfstoff zu fordern. Dabei liegt der Terror von Hanau gerade erst vierzehn Tage zurück.