Wohnungen in Berlin-Friedrichshain bei Nacht. (Symbolbild)
Foto: imago/Enters

BerlinIn einer weitgehend schlaflosen Nacht ist vor allem eines frappierend: die Stille. Irgendwie friedlich, gleichzeitig aber so ungewohnt, dass sie schnell bedrohlich wirken kann: Dreht sich die Welt eigentlich noch?

Stille ist eine rare Ausnahme der Regel, die sich wundersam anfühlen kann, als sei man der einzige Mensch auf der Welt. Kein Geräusch ist hörbar, nicht drinnen, nicht von draußen, selbst das städtische Grundrauschen scheint sich für ein paar kurze Stunden eine Pause zu gönnen. Und das in der Stadt, die niemals schläft. Oder war das New York? Na ja, Harald Juhnke hat das schon geradegerückt: „In dieser Stadt bringt mich die Nacht niemals ins Nest.“

Also raus aus den Federn. Die Fassade im Hof reflektiert den Mond gleißend hell. Ob das wohl schon wieder Vollmond ist? In keinem Fenster der umliegenden Wohnungen brennt Licht, ein Teil dieser Stadt schläft tatsächlich gleichzeitig. Das wird ja erst klar, wenn man selbst nicht mitmacht. Vorne zur Straße verdecken die Häuser den Mond, hier ist es dunkler, trotz der Straßenlaternen, die ein trübes Licht werfen, sie sind umgeben von kaltem Dunst.

Nur ein Powernap

Von irgendwo her torkelt ein Mensch den Bürgersteig entlang, aber noch so fokussiert, dass die Bewegungen wohl einem Ziel folgen müssen. Die klassische Berliner Nachteule sieht aber ganz bestimmt anders aus.

Die Chrysanthemen auf der Fensterbank haben noch mal neue Blüten bekommen, obwohl sie nach dem ersten Verwelken nicht mal mehr gegossen wurden. Gärtnern ist also Zufall, vielleicht braucht es die Nachtstunden für die einfachsten Erkenntnisse. Der Spätheimkehrer gönnt sich ein Päuschen, lehnt inzwischen mit einem Arm an einer Hauswand und krümmt den Oberkörper. Ein Ruf aus der Ferne, ob alles okay sei, könnte jetzt für einen fiesen Schrecken sorgen. Mitten hinein in die Überlegung setzt die Eule ihren Weg aber schon fort, es war wohl nur ein Powernap.

Jetzt müsste eigentlich die Zeit anbrechen, in der Menschen ihren Sperrmüll auf die Straße stellen, weil sie sich unbeobachtet fühlen. Es passiert aber nichts. Wahrscheinlich ist es Menschen, die versiffte Matratzen auf die Straße werfen, sowieso egal, ob sie jemand dabei beobachtet. Bald steigt auf der Hauptstraße die Frequenz des Verkehrs. Die Stadt erwacht. Ist es eigentlich zu kalt für diese Jahreszeit? Es fühlt sich so an.