Es gibt kaum ein Ausflugsziel, das sich nicht auch mit Bahn und Bus erreichen lässt. Mit dem Neun-Euro-Monatsticket haben die Berliner nun die Möglichkeit, neue Verbindungen auszuprobieren und sich sofort auf den Weg zu machen. Wer eine Jahreskarte oder ein Abo hat, kann sein Ticket im Juni, Juli und August automatisch deutschlandweit nutzen. Er muss nicht einmal ein Neun-Euro-Ticket kaufen.

Wir haben ein Dutzend Ziele zusammengestellt – mit praktischen Ratschlägen. Erster Tipp: Unter www.bahn.de vor jeder Tour aktuell die Fahrplanauskunft konsultieren. Bei der Verkehrsmittelwahl Fernzüge wie den ICE ausschließen, dort gilt das Neun-Euro-Ticket nicht. Außerdem beachten: Baustellen können Reisezeiten verlängern.

1. Usedom einmal anders, oder: Swinemünde / Świnoujście

Dass man Berlins Badewanne auch anders erreichen kann, als bei Anklam und Wolgast mit dem Auto im Stau zu stehen, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Doch die Usedomer Bäderbahn, die während der Saison im Halbstundentakt von Züssow an der Strecke Berlin - Stralsund aus über die beliebteste Ostseeinsel der Berliner zuckelt, erschließt nicht nur deutsche Seebäder wie Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck.

Die Dieseltriebwagen fahren weiter nach Swinemünde Centrum, auf polnisch Świnoujście. Das quirlige Seebad, das mit Ahlbeck eine schöne Promenade teilt, gehört zu den wenigen Orten im Ausland, die mit dem Neun-Euro-Ticket erreichbar sind. Also: Badesachen einpacken – und los geht’s nach Usedom.

Tipp: Mit dem Regionalexpress RE3 täglich mindestens im Zweistundentakt nach Züssow, dort umsteigen. Fahrzeit rund vier Stunden. Letzte Rückfahrt um 19.18 Uhr.

2. Mit dem 9-Euro-Ticket auf Rügen Dampfzug fahren

Die größte deutsche Ostseeinsel ist die schönste, sagen manche. Für andere ist Rügen einfach nur eine Sehnsuchtslandschaft. Wer ein Neun-Euro-Ticket hat, fährt nach Stralsund und steigt dort um. Die Insel ist sehr gut mit dem Nahverkehr erschlossen. Zusätzlich zu den Regionalzügen, die Sassnitz, Binz, Prora und Putbus erreichen, steuern Busse (in denen das Neun-Euro-Ticket ebenfalls gilt) fast jeden Ort an.

Auch im Dampfzug „Rasender Roland“ zwischen Putbus, Binz, Sellin und Göhren wird das Neun-Euro-Ticket anerkannt. Für den ICE Berlin–Binz gilt das nicht. Doch die zusätzliche Ausgabe lohnt sich: kein Umsteigen, Sitzplätze können reserviert werden.

Tipp: Mit dem Regionalexpress RE3 täglich mindestens im Zweistundentakt nach Stralsund, dort umsteigen. Ab Anfang Juli fährt auch der RE5 direkt nach Stralsund.

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Sonne, weißer Sand, Schäfchenwolken: Der Strand von Sylt liegt 7,5 Regionalbahnstunden von Berlin entfernt.

3. Zur „Syltokalypse“ nach Sylt an den Nordseestrand

Mit dem Neun-Euro-Ticket ist es kein Ausflug, dafür dauert die Fahrt in Regionalzügen einfach zu lange. Mindestens siebeneinhalb Stunden sind einzuplanen, und es muss mindestens zweimal umgestiegen werden. Der Intercity, der täglich von Berlin direkt nach Westerland fährt und nicht mit dem Billigticket genutzt werden darf (Ticket ab 35,90 Euro pro Weg), braucht fünfeinhalb Stunden.

Doch wer sich Zeit nimmt, kommt auch ans Ziel. Und es bietet sich an, unterwegs die Reise für Stadtbummel zu unterbrechen. Wer keine Lust auf Sylt hat, kommt mit Regionalzügen auch genauso gut nach Bad St. Peter-Ording und Büsum.

Tipp: Täglich mehrere Umsteigeverbindungen. Wer um 9.25 Uhr in Berlin abfährt, in Schwerin und Hamburg umsteigt, ist (wenn alles gut geht)  17.05 Uhr in Westerland.

4. In die Weltkulturerbestadt Lübeck

Die Hansestadt ist das perfekte Ziel für einen Kurzurlaub. Verhältnismäßig kompakt, mit schönen Gebäuden und vielen Sehenswürdigkeiten gesegnet, mit viel Grün, Wasser und Küste vor der Tür. Wer sich an der Backsteingotik sattgesehen und alle Winkel der Altstadt erkundet hat, kann mit dem Neun-Euro-Ticket zum Beispiel nach Travemünde, Niendorf, Timmendorfer Strand, Haffkrug oder Scharbeutz reisen.

Ebenfalls empfehlenswert: ein Bahnausflug in die Holsteinische Schweiz oder nach Ratzeburg, ebenfalls täglich mindestens im Stundentakt erreichbar.

Tipp: Täglich mehrere Umsteigeverbindungen. Wer zum Beispiel um 7.02 Uhr in Berlin  abfährt und in Bad Kleinen umsteigt, kann um 11.56 Uhr in Lübeck sein.

5. Zur Documenta nach Kassel

Alle fünf Jahre wird die im Zweiten Weltkrieg von vielen Bomben zernarbte Stadt Schauplatz einer Ausstellung, die regelmäßig für heftige Diskussionen sorgt – auch in diesem Jahr wieder. Doch auch wenn nicht jeder Besucher nicht jedes bei der Documenta gezeigte Kunstwerk gut findet, lassen sich jedes Mal viele Menschen auf die Konfrontation ein.

Abgesehen davon bietet Kassel weitere Anziehungspunkte, etwa das Schloss Wilhelmshöhe, das Museum für Sepulkralkultur (Todeskultur) oder die Grimmwelt, ein Ausstellungshaus zum Wirken und Leben der Brüder Grimm. Ein kulinarischer Ratschlag: Die luftgetrocknete Ahle Wurscht ist ein leckeres Mitbringsel.

Tipp: Täglich mehrere Umsteigeverbindungen. Wer zum Beispiel um 10.11 Uhr in Berlin abfährt, in Magdeburg und Sangerhausen umsteigt, kann um 15.54 Uhr in Kassel-Wilhelmshöhe sein.

6. Auf der Langstrecke nach München

Okay, so eine lange Reise ist nicht jedermanns Sache. Um die neun Stunden sollte man von Berlin nach München schon einplanen. So lange dauerte es bereits zu Mauerzeiten, als man noch mit dem Transitzug durch die DDR zuckelte. Mit dem ICE, der mit dem Neun-Euro-Ticket nicht genutzt werden darf (Ticket ab 27,90 Euro), hat man die Fahrt dagegen schon nach vier Stunden hinter sich.

Trotzdem: Wer Zeit hat und sich viel zu essen und zum Lesen mitnimmt, wird aus der Reise Gewinn ziehen. Auf den Regionalzugstrecken lässt sich anders als hinter den Schallschutzwänden der Schnelltrassen die Landschaft genießen. Mit dem Neun-Euro-Ticket darf man natürlich auch in München mit dem Nahverkehr fahren.

Tipp: Täglich mehrere Umsteigeverbindungen. Wer um 10.26 Uhr in Berlin startet, in Elsterwerda, Chemnitz und Hof die Züge wechselt, kann um 19.18 Uhr in München sein.

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Nach langer Reise eine Rast im Hofbräuhaus München.

7. Werder – wenn das Gute so nahe liegt

Kommen wir zu einer der schönsten Gegenden Deutschlands – zum Land Brandenburg. Das Neun-Euro-Ticket lässt sich nicht nur für rekordverdächtige Langstreckentouren quer durchs Land nutzen. Ohne vor Fahrscheinautomaten grübeln zu müssen, kann man damit auch das Bundesland, in das Berlin eingebettet ist, entdecken.

Werder ist ein guter Startpunkt für eine Radtour auf dem Havel-Radweg nach Brandenburg. Immer wieder ist der Fluss zu sehen, und die Weite der Landschaft lässt sich gut erleben. In Werder wiederum ist die Altstadt auf der Insel unbedingt sehenswert, vom Bahnhof eine kurze Busfahrt entfernt. Zwischen Potsdam und Werder kann man auch per Schiff reisen.

Tipp: Der Regionalexpress RE1 fährt halbstündlich nach Werder. In Berlin halten die Züge an acht Stationen, etwa Ostkreuz, Alexanderplatz, Friedrichstraße und Zoo.

8. Von Nauen ins Havelland

Hand aufs Herz, hier haben wir gezögert. Nauen hat zwar seine Reize, steht aber nicht ganz zu Unrecht im Schatten anderer Brandenburger Städte. Optisch ist das brettebene Havelland nicht jedermanns Sache.

Aber als Startpunkt für Radtouren bietet sich Nauen an. Auf geradem Weg geht es zum Beispiel ins Dorf Ribbeck, das Theodor Fontane mit seinem Birnengedicht in die Weltliteratur gehievt hat – und wo diverse Cafés eine Rast lohnen. Eine andere Tour führt zum Öko-Hof Kuhhorst, fast nebenan liegt die Ziegenkäserei Karolinenhof. Der Riewendsee, eine längere Tour entfernt, ist ein schönes Badeziel. Vorteil: In den Regionalbahnen nach Nauen gibt es meist genug Platz.

Tipp: Den Regionalexpress RE2 meiden. Lieber mit der Regionalbahn RB10 oder RB14 fahren, die weniger stark ausgelastet sind. Zwischen Nauen und Ribbeck fährt der Bus 661.

9. Spreewald, ein altes Ausflugsziel neu entdeckt

Schon im 19. Jahrhundert wurde er von den Berliner entdeckt – dank der Eisenbahn, die das Gebiet damals noch mit Schmalspurstrecken erschloss. Auch heute ist der Spreewald eine beliebte Destination, was dazu führt, dass vor allem der Regionalexpress RE2 am Wochenende oft unangenehm voll wird.

imago/Rainer Weisflog
Hahnrupfen im Spreewald: Der sorbische Hahn als Symbol für Fruchtbarkeit sorgte für eine gute Getreideernte.

Doch Lübben und Lübbenau sind vom Osten Berlins auch mit der Regionalbahn RB24 erreichbar, die mit knapp einer Stunde nur wenig länger braucht. Auf jeden Fall gibt es im Spreewald viel zu unternehmen: Kahn- und Paddeltouren, Radausflüge, Wanderungen – und dann Kartoffeln mit Leinöl und Quark speisen, danach Hefeplinsen.

Tipp: Derzeit wird auf der Strecke noch gebaut. Im Laufe des Junis wird es wieder einfach: von Lichtenberg oder Ostkreuz mit dem RE2 oder der RB24 in den Spreewald.

10. Zügig in die Natur nach Chorin

Es gibt viele Gründe, nach Chorin nordöstlich von Berlin zu fahren. Die Klosterruine, einen kurzen Spaziergang vom Bahnhof entfernt, ist ein Anziehungspunkt. Während des Choriner Musiksommers ist sie Kulisse für Konzerte. Der nächste Ort ist Brodowin, der dortige Öko-Bauernhof mit Laden und Café ein idealer Zwischenstopp bei einer Radtour weiter zum Parsteiner See.

Chorin ist einer der wenigen Orte im Umland mit einer Fahrradvermietung direkt am Bahnhof. Man muss also kein eigenes Zweirad mitbringen. Das kann gerade auch nach Chorin an Schönwetter-Wochenenden schwierig werden. Auf der Fahrt dorthin sollte man die vollen Züge nach Stralsund meiden.

Tipp: Täglich alle 60 Minuten mit dem Regionalexpress RE3 nach Chorin. Vom Hauptbahnhof dauert die Reise 46 Minuten. Möglichst die Züge nutzen, die nach Schwedt weiterfahren (z.B. 9.32 Uhr).

11. Ins Land der Burgen nach Bad Belzig

Die Burg Eisenhardt, die Altstadt und die Stein-Therme sind drei große Anziehungspunkte in Bad Belzig. Doch auch die Umgebung der Stad hat viel zu bieten. Im Nachbarort Wiesenburg entstand aus einer mittelalterlichen Burg ein imposantes Schloss mit einem nicht minder sehenswerten Park.

Auf der Burgenlinie 572 fahren Busse vom Bahnhof Bad Belzig fünfmal täglich unter anderem nach Raben, wo eine weitere Burg auf Gäste wartet. Auch hier gilt das Neun-Euro-Ticket. Im benachbarten Planetal stellt der dünnbesiedelte Hohe Fläming unter Beweis, dass er auch ein schönes Wandergebiet ist. Eine stille Gegend, nicht einmal hundert Kilometer von Berlin entfernt.

Tipp: Täglich alle 60 Minuten mit dem Regionalexpress RE7 nach Bad Belzig. Vom Hauptbahnhof ist die Stadt knapp eine Stunde entfernt. Die Burgenlinie 572 sorgt fünfmal täglich für Anschluss.

imago/Hans P Szyszka
Lust aufs Land? In Brandenburg gibt es vielerorts die perfekte Idylle.

12. In die Fontanestadt Neuruppin

Die Altstadt erkunden, am Neuruppiner See spazieren – und dann gut essen gehen. Einen Ausflug nach Neuruppin kann man ziemlich geruhsam gestalten. In der Stadt nordwestlich von Berlin, in der Theodor Fontane geboren wurde,  lassen sich viele stille Ecken entdecken. Eine Therme und ein Museum, wo man Neuruppiner Bilderbögen (eine Vorform des Comics) findet, runden das Programm ab.

Wer dann noch Zeit hat, steigt noch einmal in den Regionalexpress RE6 und fährt in einer halben Stunde ins benachbarte Wittstock/Dosse. Dort gibt es ebenfalls eine sehenswerte Altstadt – und ein Museum des Dreißigjährigen Krieges.

Tipp: Täglich alle 60 Minuten mit dem Regionalexpress RE6 nach Neuruppin, Rheinsberger Tor. Fahrzeit von Gesundbrunnen rund 80 Minuten. Oder zunächst per S-Bahn nach Hennigsdorf.