Libauer Straße

Gleichförmige Ordnung herrscht rund um den Boxhagener Platz, im rechten Winkel kreuzen sich alle Straßen. Alle? Fast alle. Eine legt sich quer: Die Libauer Straße durchschneidet frech den Häuserblock zwischen Warschauer und Simon-Dach-Straße. Das ist praktisch, wenn man zur S-Bahn will und wertvolle Sekunden spart. Für Fußgänger ist die Libauer darum eine Durchgangsstraße, trotz der vielen Hundehaufen. Irgendwie hat sie es darüber all die Jahre auch versäumt, hip zu werden. Neuerdings gibt es ein österreichisches Restaurant, bis dahin war der Liegefahrradladen die größte Attraktion. Eine unschrägere schräge Straße ist eigentlich nicht vorstellbar.
Frederik Bombosch

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Märkisches Ufer

Der Arbeitsweg zu Fuß führt mich an jeder Menge vielbefahrener und lauter Straßen entlang. Doch das Stück zwischen Fischerinsel und Jannowitzbrücke, von Kreuzberg aus rechtsseitig der Spree, ist mein morgendliches Paradies: Am Märkischen Ufer atme ich durch, die Sonne scheint auf den Fluss, und es riecht ein wenig, als ob die Metropole am Meer liegen würde. Nur ab und an trifft man Menschen mit Hund, in der Ferne braust der Verkehr, linkerhand begleitet der Ausblick auf den Fernsehturm meinen Weg. Das Märkische Ufer, das sind nur ein paar Hundert Meter, bevor ich wieder in den Berufsverkehrstrubel eintauche. Aber pure Entspannung.
Marcus Weingärtner

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Majakowski-Ring

An diesem Ort der Stadt ist Berlin nur noch ein Städtchen, ein ruhiger Vorort im Pankower Ortsteil Niederschönhausen mit einer spannenden Geschichte. In den prunkvollen Villen hinter Mauern und Schlagbaum lebten einst abgeschottet hohe SED-Funktionäre wie Pieck, Grotewohl, Honecker und Stoph sowie Künstler wie Hans Fallada und Johannes R. Becher. Als die DDR verschwand, zogen neue Familien mit ihren Kindern ein, andere Künstler kamen hinzu. Doch der Charme der ovalen Ringstraße ist trotz aller politischen Wendungen geblieben. Es ist so ruhig dort und so grün, nur wenige Meter sind es bis zum Schloss Schönhausen mit seinem Schlosspark und dem kleinen Flüsschen Panke, das plätschernd hindurchfließt.
Stefan Strauß

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Alt-Tegel

Willst du ein Eis? Diese Frage stellt sich in Alt-Tegel nicht. Hier isst man Eis, ob im Becher oder in der Waffel, ob italienisch oder von Florida aus Spandau. Denn die nette Straße mit den alten Gaslaternen hat die gefühlt höchste Eiscafédichte in der Stadt. Da kommt einfach Urlaubsstimmung auf, zumal Restaurants mit ihren Nationalgerichten an Reisen erinnern, an Palmen, Strand und Meer. Das Meer heißt hier Tegeler See, die Promenade dort am Ende von Alt-Tegel kann einem echten Seebad natürlich nicht das Wasser reichen. Schön ist es hier trotzdem. Kinder füttern Enten und Schwäne. Eltern sitzen auf Bänken und sehen dem Sonnenuntergang zu – oder essen Eis.
Uwe Aulich

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Alt-Marzahn

Im Frühling ist das Entree am schönsten: Von der Allee der Kosmonauten mit ihren Hochhäusern gelangt man nach wenigen Schritten unter dem rosaroten Blütendach der Kirschbäume nach Alt-Marzahn. Die kleine Straße mit Pflastersteinbelag und Gaslaternen heißt wie das Dorf, das um 1300 entstand und in den 1980er-Jahren rekonstruiert wurde. Sie zieht sich um Häuser und Höfe am Anger, auf dem die Kirche und das Bezirksmuseum stehen. Ein Abzweig führt zur Bockwindmühle. Es gibt wenige Geschäfte, vor dem Dorfkrug und der Fleischerei sitzen Gäste in der Sonne. Andere ruhen auf Bänken im Grün aus. Der Trubel der Stadt ist weit weg.
Birgitt Eltzel