Abgeblühte Rosen bilden Samen, die Hagebutten.
Foto: Dübber

Wilde Rosen blühen nur einmal im Jahr, erklärt mir Gesche Hohlstein vom Botanischen Garten in Dahlem. Über 300 Rosenarten und -sorten gruppieren sich dort elegant hinter der Rosenlaube an einem lavendelbestandenen Weg. Heruntergefallen und weit weggeweht sind ihre zarten gelben, weißen, rosa- und pinkfarbenen Blüten, längst vergangen ist der süße feine Duft, in den eingehüllt ich auf den Bänken dort saß. Stattdessen wachsen an den Stängeln unansehnliche grüne Knubbel – die Rosen tragen Früchte. „Hagebutten“, erklärt Gesche Hohlstein. „Denn der Sinn der Blüte ist die sexuelle Fortpflanzung, das Ziel Samen zu bilden.“

Zwar gibt es auch speziell gezüchtete Sorten, die nach einem Rückschnitt ein zweites Mal im Jahr blühen. Doch die Botanikerin empfiehlt ungefüllte Rosen. „Sie bieten bei der Blüte Insekten Pollen und Nektar und entwickeln sich danach zu Hagebutten, helfen damit Vögeln durch den Winter.“

Auf meinem heimischen Balkon lässt sich weiter von Blüten träumen. Zwar sind die bunten Pflanzenherrschaften wie Geranien und Strauchmargeriten seit Mitte Juli ziemlich faul, die eine Pracht ist abgeblüht, die andere hat sich noch nicht geöffnet. Beim sonntäglichen Mittagessen beruhigen wir Freunde uns gegenseitig, wir wissen, so eine Blühpause ist normal im Hochsommer. Wenn es heiß ist (ist es in diesem Jahr doch gar nicht!), müssen auch Pflanzen ruhen und ihre Kräfte sammeln. Die Pause fühlt sich für uns wie ein Streik an. Denn zur Ferienzeit verbringen wir viel Zeit auf dem Balkon, wünschen zum köstlich kühlen Roséwein herrliche Anblicke.

Wie motiviert man das Pflanzenpack, wann ist es endlich so weit, geht es wieder los? Jeden Morgen und jeden Abend energische Kontrollblicke, soll man die noch geschlossenen Blüten aufpolken, die Pflanze in die zweite Blüte zwingen? Natürlich wissen wir, dass entschiedene Rückschnitte von bis zu zwei Drittel den Pflanzen wohltun und eine neue Blüte befördern. Haben wir alles gemacht, gedüngt auch jede Woche – los, was ist, blüht endlich. Ein letztes Mal, bevor dieser Sommer vorbei ist!