Ben Becker ist Inhaber einer markanten, tiefen Stimme. Sie hat ihm jetzt eine ganz besondere Rolle eingebracht. In der deutschen Version der Verfilmung des Bestsellers „Die Bücherdiebin“ ist er der alles sehende Erzähler, der Tod. Und konnte damit dem Film seinen Stempel aufdrücken, ohne dafür auch nur einmal vor der Kamera gestanden zu haben.

Der Australier Markus Zusak, Autor der Romanvorlage des Films, von der sich über acht Millionen Exemplare weltweit verkauften und die sich fast sieben Jahre auf der Bestsellerliste der New York Times hielt, kann seine Wahl des Todes als Erzähler gut begründen: „Wir hören doch immer, dass der Tod und der Krieg die besten Freunde sind. Wer könnte also besser eine Geschichte aus Kriegszeiten erzählen als der Tod selbst?“

Beckers Bücherklau ist verjährt

Becker hatte sich das Original angeschaut, bevor er seine Mitwirkung zusagte: „Ein epischer und wahnsinnig schöner Film. Großes Kino, ein Meisterwerk. So etwas bekommt man als Schauspieler nicht oft in die Finger.“ Er betont: „Ich sage das nicht, weil ich dafür Geld bekomme. Dieser Film hat mich wirklich berührt.“ Die naheliegende Frage, ob er jemals Bücher geklaut hat, beantwortet Ben Becker lachend: „Das ist auf jeden Fall verjährt. Ich wüsste aber auch nicht, was ich noch nicht geklaut hätte.“

Wie im Leben der Hauptfigur des Films spielten Bücher auch in seiner Kindheit eine große Rolle. „Ich hatte zu Hause großartige Vorleser.“ Er spielt auf seine Mutter Monika Hansen und den Stiefvater Otto Sander an. Sander, der im September verstarb, war ein großer Vortragskünstler. Becker: „Otto war, wie er immer sagte, mein bester Lehrer. Manchmal merke ich heute, wie aufmerksam ich ihm zugehört habe. Ich bin nicht so gut wie er. Aber fast.“

Im Februar kommt schon der vierte von Becker geschriebene Band mit Geschichten über Bruno, den Jungen mit den grünen Haaren, heraus. Als er damit anfing, war seine Tochter Lilith fünf Jahre alt, inzwischen ist sie 13 und der Zielgruppe dieser Kinderbücher, auf die Papa so stolz ist, entwachsen: „Sie verfolgt das trotzdem noch mit viel Sympathie.“

Die Deutschlandpremiere von „Die Bücherdiebin“ wurde am Donnerstagabend im Zoo Palast gefeiert. Sophie Nélisse, die in dem Film die Rolle der Titelheldin übernommen hat, war dafür neben Emily Watson, die ihre Mutter spielt, nach Berlin gekommen. Die 13-jährige Sophie wollte ursprünglich noch nicht einmal das Drehbuch lesen, weil sie als Leistungssportlerin hart für die Olympischen Spiele trainierte und glaubte, deshalb keine Zeit für Dreharbeiten zu haben.

In Babelsberg gedreht

Als eine Verletzung das sportliche Ziel der Turnerin dann aber in weite Ferne rücken ließ, war sie bereit, sich nach ersten Erfolgen im Film „Monsieur Lazhar“ auf weitere schauspielerische Herausforderungen einzulassen. Sie spielte also die Rolle der Liesel, die ihre Kraft zum Überleben in Zeiten des Nationalsozialismus aus Büchern zieht. Sophie: „Diese Geschichte lässt einen die Dinge anders sehen.“

Gedreht wurde „Die Bücherdiebin“ zu großen Teilen im Studio Babelsberg, wo die für die Handlung zentrale Straße komplett aufgebaut wurde. Außenaufnahmen entstanden in der sächsischen Stadt Görlitz, die sich wegen ihrer Altbausubstanz bei internationalen Produktionen zu einem beliebten Drehort entwickelt hat. Auch „Der Vorleser“ wurde dort gedreht.

Die Kamera bediente bei „Die Bücherdiebin“ Florian Ballhaus, der bei einem der Besten seines Fachs, seinem Vater Michael Ballhaus, das Handwerk gelernt hat. Inzwischen ist ihm gelungen, woran so mancher Spross einer Berühmtheit scheiterte: Der 48-Jährige konnte aus dem Schatten des Vaters treten und sich mit Filmen wie „Flightplan – Ohne jede Spur“, „Der Teufel trägt Prada“ und „R.E.D. – Älter, Härter, Besser“ die Anerkennung der Branche erarbeiten.