Trotz Corona auf Achse: Die Busse der BVG fahren auch in der Krise. Allerdings wurde der Betrieb ausgedünnt.
Foto: xXanderxHeinlx

BerlinDie Coronakrise hat zu weiteren Einschränkungen im Berliner Nahverkehr geführt. Wie jetzt bestätigt wurde, haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) fünf Buslinien eingestellt. Die Linien X36, X49, 218, 291 und 380 werden nicht mehr bedient, teilte das Landesunternehmen auf seiner Internetseite mit. Bei diesen und den bisherige Einschränkungen soll es nach jetzigem Stand bleiben, hieß es. „Wir planen aktuell keine weitere Reduzierung des Angebots“, so BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt zur Berliner Zeitung.

Das Landesunternehmen betonte, dass es nicht um Kosteneinsparungen geht, sondern darum, die Stadt auf Dauer mobil und funktionsfähig zu halten. Die bekannt gegebenen Streckeneinstellungen hätten keine Lücken ins Busliniennetz gerissen. Alle Haltestellen würden weiterhin bedient – von Bussen anderer Linien.

Traditionsbus nun zwischen Steglitz und Britz auf Tour

Einzige Ausnahme ist die 218, die normalerweise den S-Bahnhof Messe Nord/ICC mit dem Bahnhof Wannsee und der Pfaueninsel verbindet. Ihre Einstellung hat dazu geführt, dass die Havelchaussee und andere Ausflugsziele jetzt nicht mehr per Nahverkehr erreichbar sind - oder nur mit längeren Fußwegen.

Immerhin kann der historische Doppeldecker vom Typ Büssing D2U, der bis zum vergangenen Mittwoch auf der Grunewald-Linie unterwegs war, anderswo weiterhin im Fahrgasteinsatz erlebt werden. Das Fahrzeug aus dem Jahr 1964, das der Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin gehört, wird nun täglich auf der Linie 181 eingesetzt. Diese Strecke verbindet den Walther-Schreiber-Platz in Steglitz (Abfahrten montags bis freitags 10.54, 12.54, 14.54, 16.54 und 18.57 Uhr, am Wochenende verändert) mit der Kielingerstraße in Britz (Abfahrten montags bis freitags 9.55, 11.55, 13.55, 15.55, 17.55 und 19.49 Uhr, am Wochenende verändert).

Auch für den U-Bahn-Verkehr meldet die BVG auf ihrer Internetseite eine zusätzliche Einschränkung. So fährt die U3 nur noch zwischen Krumme Lanke und Nollendorfplatz, heißt es auf der Website. Vor der Krise verkehrten die Züge weiter bis zur Warschauer Straße. Die Änderung hat dazu geführt, dass der Verkehr auf der Kreuzberger Hochbahn ausgedünnt worden ist.

Ärger über volle Züge und Busse

Beobachter bemängelten, dass die BVG die neuerlichen Änderungen nicht ausreichend mit ihren Partnern abgesprochen habe. Wie berichtet wurde das Fahrtenangebot bereits in größerem Maße reduziert – was laut Fahrgastverband IGEB immer wieder zu Überfüllungen führt.

Auch bei der Berliner Zeitung treffen immer wieder kritische Berichte von Fahrgästen ein. Die BVG setze die Gesundheit der Fahrgäste afs Spiel, klagte eine Nutzerin, die morgens regelmäßig die U5 nutzt. "Die U-Bahn kommt bereits sehr voll an meinem Bahnhof (Magdalenenstraße) an- Sitzplätze fast alle besetzt und Stehplätze auch gut genutzt. Der empfohlene Sicherheitsabstand ist so überhaupt nicht einzuhalten", berichtete sie. Ein BVG-Nutzer aus Spandau berichtet von der  Linie 137  gegen 5.30 Uhr von Freudstraße Richtung Rathaus Spandau: "Da schickt die BVG nach wie vor in diese hochfrequentierte Linie Eindeckerbusse, in der sich die Fahrgäste schon nach der zweiten Station bis auf Tuchfühlung nahe und näher kommen! So eng, dass sich die Türen kaum noch schließen lassen."

Die Metrobuslinien sollen im Zehn-Minuten-Takt verkehren, auf den anderen Routen gilt mindestens ein 20-Minuten-Takt. Auch bei der U- und Straßenbahn sind Einschränkungen in Kraft getreten. Die Linien U55, 16, 18, 37 und 67 fahren nicht mehr.

Gewerkschaft unterbricht Kampagne für Tarifvertrag

Jeremy Arndt, Sekretär der Gewerkschaft Verdi, schließt weitere Einschränkungen nicht aus. „Das hängt davon ab, wie sich der Krankenstand entwickelt und ob wir eine umfassende Ausgangssperre bekommen“, sagte er der Berliner Zeitung

Die Coronakrise beeinflusse auch die Arbeit der Gewerkschaft, so Arndt. Zwar habe Verdi den Tarifvertrag für die BVG gekündigt, doch die Kampagne für eine neue Vereinbarung über die Löhne und Gehälter wurde ausgesetzt, so Arndt. "Wir halten die Uhr an", hieß es auf einem Verdi-Flugblatt. "Für uns alle steht jetzt an erster Stelle, in dieser Krise als Kolleg*innen verantwortungsvoll zusammenzustehen."