Die BVG zählt mehr als eine halbe Milliarde U-Bahn-Nutzer

Manchmal können Statistiken ziemlich langweilig sein. Doch diese Daten sind interessant. Der neue Zahlenspiegel der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestätigt den Eindruck, den viele Stammkunden haben: Immer mehr Fahrgäste sind mit den Bussen und Bahnen des Landesunternehmens unterwegs. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Fahrten, die mit der BVG unternommen wurden, um 3,3 Prozent gestiegen – auf 1,01 Milliarden.

Noch eindrucksvoller fällt das Wachstum aus, wenn man die veröffentlichten Daten mit dem ältesten verfügbaren Zahlenspiegel vergleicht. Danach hat die Zahl der Fahrgastfahrten seit 2008 um 21,4 Prozent zugenommen. Die BVG spürt besonders, dass Berlin eine wachsende Stadt ist.

Schon seit einiger Zeit spielt die Berliner U-Bahn in der ersten Liga mit. Es gibt nicht viele Transportbetriebe, die pro Jahr von mehr als einer halben Milliarde Fahrgäste genutzt werden. Nun hat dieser Teil der BVG weiter zugelegt. 2015 wurden die Züge für 534,5 Millionen Fahrten genutzt. Zum Vergleich: 2008 waren es nur 446,5 Millionen.

Auf Platz zwei steht auch im vergangenen Jahr der Bus. Die großen und kleinen Gelben haben im vergangenen Jahr rund 418,5 Millionen Fahrgäste befördert (die wenigen Fährpassagiere sind eingerechnet). Auch bei diesem Betriebszweig der BVG ist die Zahl der Nutzer seit 2008 um rund ein Fünftel gestiegen. Damals wurden 349,6 Millionen Bus- und Fährfahrgäste registriert.

Auch bei der Straßenbahn ist der Trend positiv. Das Verkehrsmittel, das früheren Stadtplanern als verzichtbar galt und aus West-Berlin fast verschwunden ist, wurde  im vergangenen Jahr für 187,1 Millionen Fahrten genutzt. Die Steigerungsrate seit 2008 steht denen der anderen Betriebszweige mit knapp einem Fünftel kaum nach. Vor acht Jahren  wurden in der  Straßenbahn 157,1 Millionen Fahrgäste gezählt.

Fast 210.000 Busse am ZOB

Auch auf dem Zentralen Omnibusbahnhof Berlin (ZOB), der sich in Sichtweite des Funkturms in Charlottenburg befindet, ist immer mehr los. Die Betreibergesellschaft, die der BVG gehört, verzeichnete im vergangenen Jahr erneut einen deutlichen Anstieg des Busverkehrs. Die Zahl der An- und Abfahrten stieg um 19,1 Prozent – auf 208.195, heißt es im neuen Zahlenspiegel.

„Eine wachsende Stadt braucht einen wachsenden Nahverkehr“, sagt Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Die Zahl der Einwohner nimmt immer weiter zu, Berlins Wirtschaftskraft ebenfalls, was die Pendlerzahl ansteigen lässt. Immer mehr Neu-Berliner bringen kein Auto mit, oder sie schaffen ihren Wagen ab, sobald sie in Berlin sind. Das erhöht den Ansturm auf die Busse und Bahnen zusätzlich.

Senat und BVG reagieren darauf, indem sie Aufstockungen des Angebots vereinbaren. Das jüngste „Mehrleistungspaket“ trat am Wochenende in Kraft. Für die zusätzlichen Fahrten hat das Abgeordnetenhaus Geld bewilligt. Für dieses Jahr erhält die BVG  zwölf  Millionen Euro, 2017 sind es  15,5 Millionen. Mit den neuen Angeboten „wollen wir die steigende Nachfrage nicht einfach nur ,bewältigen’, sondern bewusst weiter fördern“, so Gaebler.

Doch die Erweiterung des Angebots für die Fahrgäste wird immer schwieriger, weil die BVG in puncto Fahrer und Fahrzeuge an ihre Grenzen stößt. Das Wachstum Berlins wird den BVG-Planern noch einiges Kopfzerbrechen bereiten.