Rücken habe ich ständig. Wirkliche Schmerzen sind das aber nur alle paar Monate, wenn ich meinen Körper nur noch so weit aufzurichten vermag wie Robert Habeck sich vor dem kuwaitischen Energieminister.

Meine Frau zitiert dann gern das Leiden Christi. Anders als weiland beim Heiland gibt es gegen meine Kreuzbeschwerden Tabletten. Die Effektivität von Ibuprofen ist evident. Mal abgesehen von der Magenschleimhaut: Das Zeug hilft. Sonst würde ich es nicht nehmen.

Unklarer ist die Sache bei „Maßnahmen“, die der Staat seinen Bürgern gegen Corona verordnete. Deren Wirksamkeit begutachtet gerade ein Sachverständigenausschuss. Wasserstandsmeldungen besagen, dass sich für diverse Pandemiebewältigungsinstrumente keine positiven volksgesundheitlichen Folgen entdecken ließen.

Ich tippe auf nächtliche Ausgangssperren und Maskenrazzien an Rodelhängen. Auch daraus, dass man Schulen hierzulande so lange schloss wie kaum sonst irgendwo, wird schwerlich eine Erfolgsgeschichte, außer man hat ein Faible für depressive Kinder. Wenigstens gibt es dank der Schikanen gegen Ungeimpfte inzwischen ein Reizklima nicht nur in Luftkurorten.

Angeblich ist das Expertengremium überfordert

Besagtes Expertengremium sei überfordert, hieß es zuletzt – von Verfechtern der zu untersuchenden „Maßnahmen“. Bestimmt Zufall. Die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt schrieb in der Süddeutschen Zeitung: „Nur weil es keine Evidenz gibt, heißt es nicht, dass Maßnahmen nicht wirken, mitunter fehlen eben nur die Daten, die die Wirkung belegen.“ – Fürwahr, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die die Schulweisheit sich nicht träumen lässt. Die Existenz des Heiligen Geistes wurde auch noch nicht widerlegt. Dennoch verzichtet die Bundesregierung darauf, sich auf einschlägige Erleuchtungen zu berufen. Der „Tankrabatt“ zeigt indes, dass andere Erkenntnisquellen nicht unbedingt zuverlässiger sind.

Leser bescheinigten Frau Berndt, sie argumentiere wie die Freunde der Homöopathie: Ha ha, beweist uns doch erst mal das Gegenteil. Die Autorin twitterte zurück, der Globulismus hätte ja nun schon „viele Jahrzehnte“ Zeit gehabt, die Wirksamkeit seiner Methoden zu belegen. Das stimmt. Allerdings scheint mir die Beweislast für Heilpraktiker geringer zu sein. Niemand wird behördlicherseits genötigt, sich mit Zuckerkügelchen zu kurieren. Wer selbige nicht verzehren mag, darf weiterhin ein Fußballstadion, den Elektrofachmarkt und die im Pflegeheim siechende Mutter aufsuchen.

Der Staat muss die Verhältnismäßigkeit der Einschränkungen begründen

Die „Maßnahmen“ hingegen beschneiden einen bunten Blumenstrauß aus Grundrechten. Alle davon aufzuzählen fehlt hier der Platz. Es sind jedenfalls Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat. Um einige davon zu schützen, darf der Staat andere einschränken. Doch dabei unterliegt er dem Gebot der Verhältnismäßigkeit: Je massiver der Eingriff, desto größer der Rechtfertigungsdruck.

In diesem Licht erscheint mir der Verweis allein auf fehlende Daten und zu wenig Zeit gewagt. Vielmehr glaube ich, dass sich bereits nach immerhin gut zwei Jahren starke Indizien für ein unvorteilhaftes Schaden-Nutzen-Verhältnis von Lockdowns oder 2G-Regeln finden lassen. Für alle, die sich dadurch nicht beirren lassen und die Gesellschaft im Herbst wie gehabt weitertherapieren wollen, hier eine homöopathische Argumentationshilfe: Nennt den bisherigen Leidensweg einfach die ganz normale „Erstverschlimmerung“.