Berlin - Rüpelradler! Sie fahren bei Rot und im Dunkeln ohne Licht. Kein Wunder, dass so viele Radfahrer bei Unfällen sterben! Es bedarf nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie viele Menschen auf den jüngsten Verkehrssicherheitbericht der Prüfgesellschaft Dekra reagieren werden. Während im gesamten vergangenen Jahr sechs Radfahrer bei Zusammenstößen in Berlin getötet wurden, waren es in diesem Jahr schon 15 oder 16, je nach Zählung. Der Trend weist in die falsche Richtung, während die Gesamtzahl der Unfälle im Pandemiejahr 2020 zurückgeht.

Fußgänger regen sich über Gehwegradler auf, die ihnen den ohnehin schon knappen Raum streitig machen. Ebenfalls zu Recht mokieren sich Kraftfahrer über Biker, die todesmutig vor dem Kotflügel auftauchen. Doch die Radfahrer, die in den vergangenen Jahren im Berliner Straßenverkehr getötet wurden, waren keine Rüpelradler – was sich auch 2020 wieder einmal zeigt.

Senioren dominieren: Rund die Hälfte von ihnen hatte das 60. Lebensjahr hinter sich, als sie von einem Kraftfahrzeug aus dem Sattel gehoben und auf die Fahrbahn gestürzt wurden. So hoch ist auch der Anteil der Radfahrer, die von Rechtsabbiegern getötet wurden. Natürlich gibt es bei Radlern auch immer wieder fatales Fehlverhalten, auch tödliche Alleinunfälle sind zu verzeichnen – wie 2019 mit einem E-Bike in Zehlendorf. Doch in den meisten Fällen waren Kraftfahrzeuge die Todesbringer.

Was daraus folgt? Es ist an der Zeit, die ideologische Diskussion zu beenden – sowohl auf Seiten der Autofahrer als auch bei den Radfahrern. Beide Fortbewegungsmittel werden den Berliner Straßenverkehr auch künftig bestimmen. Es ist utopisch zu glauben, dass Radfahrer wieder verschwinden. Politik und Verwaltung müssen dabei mithelfen, dass die Kontrahenten besser miteinander auskommen.