Schräg gegenüber der Deutschen Oper im Westen Berlins am Dienstagmorgen: Auf der Straße liegen Trümmerteile eines Autos. Daneben steht ein zerstörter Wagen. Darin starb 43-Jähriger mit krimineller Vergangenheit, als am frühen Morgen ein Sprengsatz am Auto hochging.
Die Berliner Polizei hat Absperrungen aufgebaut, Sanitäter eilen umher, Reporter sprechen in ihre Mikrofone. Gegen Mittag wird klar: Die Polizei schließt einen Terroranschlag aus. Es war wohl ein gezielter Anschlag ohne politischen Hintergrund.

Kein Terroranschlag

Die Tat gehe „vermutlich“ auf das Konto von organisierten Kriminellen, sagt ein Polizeisprecher. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) äußert sich schnell: „Nach dem bisherigen Ermittlungsstand war es wohl ein gezielter Anschlag auf einen einzelnen Menschen und kein Terroranschlag. Der Hintergrund war wohl nicht politisch.“

Ob Drogenkartelle oder Rockerbanden beteiligt sind, können die Ermittler am Dienstag noch nicht sagen. Das unmittelbare Geschehen lässt sich aber aus den Berichten der Polizei und den Erzählungen eines Augenzeugen rekonstruieren.

Lauter Knall und Druckwelle

Der 43-Jährige, den die Polizei wegen Delikten mit Drogen, Falschgeld und Glücksspiel kennt, fährt seinen silbernen Wagen gegen 7.50 Uhr auf der achtspurigen Bismarckstraße Richtung West-Berliner Innenstadt. Dann zündet eine Sprengladung, die laut Staatsanwaltschaft unter dem Wagen angebracht wurde.

Der 18 Jahre alte Schüler Yunus Ö. erzählt später, wie er ebenfalls Auto fuhr, als er plötzlich einen Knall hörte und eine Druckwelle von vorne spürte. Dann habe er eine Rauchwolke gesehen. „Ich hoffe, sowas erlebe ich nicht noch einmal“, sagt er, immer noch geschockt.

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Die junge Kellnerin einer Pizzeria, die etwa hundert Meter entfernt liegt, erzählt: „Wir wohnen hier nebenan und haben geschlafen. Wir sind von einem großen Knall aufgewacht und haben uns sehr erschreckt. Die Katze ist fast an die Decke gesprungen.“

Kriminelle Banden

Das fahrende Auto wird durch die Explosion nach rechts geschleudert, kracht gegen einen parkenden Wagen und rollt dann noch etwa 30 oder 40 Meter weiter, wie ein Sprecher der Berliner Polizei sagte. „Der Fahrer wurde schwer verletzt und starb dann noch am Ort.“
Sehr groß kann die Sprengstoffmenge nicht gewesen sein. Zwar werden die Türen und Fenster des Autos zum Teil aufgesprengt, aber der Wagen wird nicht komplett auseinandergerissen.

Schon früh kommt der Verdacht auf, dass es um eine Auseinandersetzung von kriminellen Banden geht. Am Tatort erscheint ein Oberstaatsanwalt, der sich mit Organisierter Kriminalität befasst.

Gezielter Anschlag

Am Mittag bestätigt Polizeisprecher Michael Merkle: „Die Vermutung geht in die organisierte Kriminalität. In welche Richtung genau, kann ich ihnen noch nicht sagen.“ Hoch über ihm in der Luft surrt eine Drohne der Polizei und fotografiert den Tatort.
Merkle sagt weiter: „Ob der Mann selber Ziel dieses Anschlags war, können wir auch noch nicht sagen. Es ist also durchaus möglich, dass vielleicht doch jemand anders gemeint war, aber er im Auto saß.“ Die Ermittlungen würden sich jetzt „natürlich auf das Umfeld des Mannes“ konzentrieren.

Ermittler gehen in Wohnung von Sprengsatz-Opfer

Am Nachmittag durchsuchten Ermittler die Wohnung des Opfers nach Spuren. Sprengstoff-Experten und ein Spezialeinsatzkommando seien vor Ort, sagte ein Polizeisprecher. Der Polizei zufolge suchen die Ermittler nach weiteren, möglicherweise gefährlichen Stoffen - und vor allem nach Hinweisen, die zur Klärung des Falls beitragen könnten.

Gewalt zwischen Banden in Berlin

Berlin erlebt immer wieder Gewaltausbrüche zwischen verfeindeten Banden, etwa aus dem Drogenhandel oder dem Rotlichtmilieu. Manches wird intern geregelt, vieles aber auch in der Öffentlichkeit. Im vergangenen Sommer gab es eine Schießerei auf einer Straße ebenfalls in der Innenstadt im Westen Berlins, bei der eine unbeteiligte Spaziergängerin von einer Kugel getroffen wurde. Eine ganze Reihe von Angeklagten aus dem Rockermilieu steht wegen mehrerer Morde vor Gerichten.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, die Polizei ermittele jetzt „mit Hochdruck in alle Richtungen“. „Das, was hier passiert ist, hat eine erhebliche Dimension.“ (dpa)