Der Theatersaal ist dunkel, niemand sitzt im Zuschauerraum. Doch die Bühne ist hell erleuchtet, dort steht ein großer Tisch, ringsum sitzen Leute. Doch es wird nicht etwa ein Theaterstück geprobt. Nein, das Ganze ist eine Pressekonferenz. Dass sich die Macher dafür auf die Bühne setzen, ist durchaus ein Statement: Das, worum es uns hier geht, ist wichtig.

Vorgestellt wird das Programm des Musikfestivals „Transvokale“, das zum elften Mal stattfindet und unter dem Motto steht: „Drei Tage, zwei Städte, ein Festival“. Mit dabei auch Petra Paschinger, künstlerische Leiterin des Frankfurter Kleist-Forums, sowie Tomasz Pilarski, Geschäftsführer des Slubicer Kulturzentrums.

Sie sind in doppelter Rolle hier: einmal als Mitveranstalter, aber auch als Fernsehmacher, denn die beiden produzieren eine TV-Sendung, die einmal pro Monat im örtlichen Kabelnetz ausgestrahlt wird. Sie widmen sich vor allem dem kulturellen Leben in der Doppelstadt, deshalb ist diesmal auch ihr Kameramann dabei.

Beide haben einen speziellen Blick auf Frankfurt: einen Blick von innen und von außen. Denn er ist gebürtiger Slubicer und kennt Frankfurt schon sehr lange. Sie ist gebürtige Österreicherin und kam 2010 nach Frankfurt, weil dort Heinrich von Kleist, ihr Lieblingsautor, geboren wurde. „Frankfurt ist eine sehr offene Stadt, mit sehr netten Leuten“, sagt die 37-jährige Theaterwissenschaftlerin. „Die meisten sind erstaunt, wenn ich das sage. Aber so ist es nun mal: Die Frankfurter sollten viel selbstbewusster sein.“

Petra Paschinger sagt, ihr Vorteil war, dass sie gar keine Vorurteile haben konnte, weil sie als Österreicherin die Ost-West-Klischees gar nicht kannte. Sie findet die Region toll: Die Oder sei ein unglaublich schöner Fluss, das Kulturleben der Stadt überraschend breit gefächert. „Und es gibt dieses Nachbarland zu entdecken.“ Sie habe sogar etwas Polnisch gelernt. „Aber das wird kaum gebraucht. Die meisten Polen im Grenzgebiet können Deutsch.“

So wie Tomasz Pilarski, der seit elf Jahren Kulturchef in Slubice ist. „Schon meine Großmutter sprach fließend Deutsch“, erzählt der 38-Jährige. „Sie war im Krieg als Zwangsarbeiterin in Braunschweig. Dann arbeitete sie in Frankfurt (Oder) und brachte mir, als ich acht Jahre alt war, die ersten deutschen Worte bei.“ Er selbst studierte Jura in beiden Städten: Auf deutscher Seite deutsches Recht, auf polnischer Seite die polnischen Gesetze.

Er freut sich, wie sich die Doppelstadt entwickelt. „Nach dem Mauerfall war es in Frankfurt noch wie im Wilden Westen. Die Kriminellen in Kneipen – das war für Fremde schon abschreckend.“ Doch nach der endgültigen Öffnung der Grenze sei die positive Entwicklung sehr viel schneller verlaufen, als er dachte. „Wir sind auf dem richtigen Weg und gerade bei der Kultur ist die Kooperation besonders gut.“