Gegen die Jopp AG, Betreibergesellschaft der Berliner Fitnesskette Hard Candy, läuft ein Insolvenzverfahren. Die Bekanntmachung erfolgte am Freitagnachmittag durch das Amtgericht Charlottenburg. Ein Insolvenzverwalter wurde bestellt.

Bereits zuvor erhärteten sich die Anzeichen, dass die Fitnesskette  in erheblichen Zahlungsschwierigkeiten steckt. Am Mittwoch war in mehreren Studios das Licht ausgegangen. Kein Stromausfall wie die Berliner Zeitung jetzt erfuhr.

„Erhebliche Zahlungsverzüge“

Vattenfall-Sprecher Olaf Weidner bestätigte, dass das Energieunternehmen die für das Verteilungsnetz der Hauptstadt verantwortliche Firma Stromnetz Berlin angewiesen hat, mehrere Hard Candy Studios den Strom abzustellen. Grund für die Maßnahme sind laut Weidner „erhebliche Zahlungsverzüge.“ Der Sprecher betonte: „Wenn Kunden mit Zahlungen in Verzug kommen, suchen wir immer den Dialog. Bei Hard Candy hat das leider nicht zum Erfolg geführt. Deshalb mussten wir zu dieser Maßnahme greifen.“ Fest steht laut Weidner:  „Der Strom bleibt aus, solange die Rechnungen nicht bezahlt sind“.

Auch am Freitag blieben die meisten der neun Studios in Berlin geschlossen. Eine Mitarbeiterin von Hard Candy bestätigte der Berliner Zeitung, dass lediglich die Filialen in der Mall of Berlin und im Europacenter geöffnet seien.

Keine Reinigung mehr, Kurse fielen aus

Die Jopp AG war am Freitag telefonisch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Kunden und Mitarbeiter klagen seit Monaten über unhaltbare Zustände in den Filialen. Bei Facebook kritisierte ein Nutzer: „Wo gibt es denn so was, dass in einem Fitnessstudio nicht mehr gereinigt wird, keine Handtücher und Getränke vorhanden sind und über Wochen Toiletten und Duschen defekt sind?“ Auch seien Kurse abgesagt worden.

Im vergangenen Oktober war Hard Candy auch ins Visier der Berliner Verbraucherzentrale geraten. Das Unternehmen hatte seinen Kunden unangekündigt einen Umweltbeitrag von 49 Euro abgebucht. Auch mit  den Beschäftigten liegt das Unternehmen über Kreuz. Mitarbeiter berichten, dass sie seit Monaten auf Honorare für erbrachte Leistungen warten.

Verluste von Anfang an

Dabei hatte 2013 alles vielversprechend angefangen. Mit Popstar Madonna als Zugpferd wollten die Jopps den Fitnessmarkt erobern. 20.000 Mitglieder hat die Kette laut Firmen-Seite. Warum das Unternehmen dennoch scheiterte, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Bereits Ende 2013 wies die Jopp AG einen Bilanzverlust von fast 6,7 Millionen Euro aus.

Zu den Ursachen der Probleme äußerten sich die Jopp-Brüder Anfang Juni in der B.Z. Man müsse an das hinter Madonna stehende Unternehmen eine Umsatzbeteiligung zahlen. Außerdem hätten Ausbau und Einrichtung der Studios je drei Millionen Euro gekostet. Wegen Bauverzögerungen unter anderem bei der Mall of Berlin sei es zu einem finanziellen Engpass gekommen. Man habe auch vergeblich auf eine weltweite Expansion der Marke gehofft.

So ergibt sich das Bild einer erfolglosen Unternehmensstrategie. Leidtragende sind die Kunden, die bei ihrem Hard Candy Studio vor verschlossenen Türen stehen.