Blick auf die Baustelle am Zentralen Busbahnhof (ZOB) in Berlin.
Foto: dpa/Arne Bänsch

BerlinEr ist sicher nicht der schönste Fernbusbahnhof. Doch er ist eine der wichtigsten Verkehrsdrehscheiben dieser Art in Deutschland. Der Zentrale Omnibusbahnhof in Berlin verzeichnet mehr Fernreisende als der Ostbahnhof sowie die Bahnhöfe Südkreuz und Spandau zusammengenommen. Klar ist aber auch: Das Wachstum, das seit der Liberalisierung des Fernbusmarktes die Nutzungszahlen explodieren ließ, ist vorbei. 2019 sind die Werte erneut gesunken, unter den Stand von 2014. Die Flaute dauert an.

Die Bauarbeiten sind ein Faktor. Damit die abgeschabt wirkende Anlage schöner und leistungsfähiger werden kann, wurde die Kapazität eingeschränkt. Doch Beobachter sagen auch, dass   überregionale Entwicklungen ebenfalls Spuren in der Statistik hinterlassen haben. Auf dem Fernbusmarkt ist der Boom lange vorbei.

Als er einsetzte, waren viele Menschen neugierig. Allerdings stellte manch einer bald fest, dass der Bus oft erheblich langsamer als die Bahn ist. So braucht er nach München sieben bis neun Stunden, der Zug vier bis fünf. Außerdem hat sich der Preisvorteil abgeschwächt. Über die Jahre sind Fernbustickets im Durchschnitt immer teurer geworden, während die Bahn schon vor der Mehrwertsteuersenkung ihre Billigticketkontingente für Frühbucher aufgestockt hat. Marktführer Flixbus prüft nun, ob er sein Liniennetz vor allem in der Fläche ausdünnt – zur selben Zeit, in der die Bahn damit begonnen hat, neue Fernverkehrsrouten einzurichten.

Der Schiene gehört die Zukunft, und vieles spricht dafür, dass der Fernbusverkehr weiter schrumpft. Gut möglich, dass bald die Diskussion aufkommt, ob der erneuerte ZOB nicht deutlich zu groß ist.