Die Flughafengesellschaft FBB stellt neue Finanzierungspläne für den BER vor

Der Flughafen BER benötigt weiteres Steuergeld von den Gesellschaftern Berlin, Brandenburg und dem Bund – möglicherweise aber weniger als anfangs erwartet. Das zweite Terminal T2 soll privat finanziert werden – wie bei den Parkhäusern ist Mietkauf oder Leasing im Gespräch. Über diese Themen sprach am Freitag der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft FBB. Schon vor der Sitzung zeichnete sich ab, dass das Staatsunternehmen für seine Pläne grünes Licht erhalten wird. „Es gibt, jedenfalls theoretisch, ein schlüssiges Finanzkonzept“, sagte der Vorsitzende des Kontrollgremiums, der Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD).

Der 69-Jährige hatte beharrlich dafür geworben, dem Businessplan von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup zustimmend zur Kenntnis zu nehmen. Noch mehr Steuergeld für den BER und der Einstieg privater Investoren auch beim Terminalbau – das sind Themen, die bei Politikern in Potsdam und Berlin Kritik aufwallen lassen. Doch schon vor dem Freitag konnte Bretschneider zufrieden mitteilen, dass der Satz „von der öffentlichen Hand gibt es kein Geld mehr für den BER“ nicht mehr gelte. Das lag wohl auch daran, dass die Beträge, die der Staat schultern muss, heruntergerechnet werden konnten.

Prüfungen ziehen sich bis 2019 hin

„Bis 2020 reicht unsere Liquidität aus“, bekräftigte Lütke Daldrup. Es geht um den zusätzlichen Finanzbedarf für die Jahre danach bis 2025, der nun auf 770 Millionen Euro beziffert wird. Anfangs war die Summe größer, aber es wurde gespart, erklärte der Flughafenchef. So werde die Zahl der Arbeitsplätze bei der FBB, die 1950 Vollzeitstellen entsprechen, eingefroren. Das Terminal T1 E, das als erstes zur Entlastung des BER entstehen soll, falle schlichter aus. „Wir haben das Projekt von 200 Millionen auf 100 Millionen Euro zusammengespart“, so Lütke Daldrup.

Von dem Geld, das zusätzlich benötigt wird, will sich der Flughafen 400 Millionen Euro über Kredite am Kapitalmarkt besorgen. Für die restlichen 370 Millionen Euro müssten die Gesellschafter aufkommen. Ihr Beitrag könnte aber auf bis zu 100 Millionen sinken – Berlin hätte im günstigsten Fall knapp 40 Millionen Euro beizusteuern. Der Finanzbedarf würde sinken, wenn private Firmen das geplante zweite Terminal finanzieren, bauen und vielleicht auch eine Zeit lang betreiben. T2 soll 2025 fertig werden und die Jahreskapazität des neuen Schönefelder Flughafens von dann 33 Millionen auf 45 Millionen Passagiere erhöhen. Von 2029 an, nach einem Ausbau von T2, sollen es 51 Millionen sein.

Insider haben Zweifel

Durch die private Finanzierung spart die FBB erst einmal Geld – in einer Zeit, in der sie knapp bei Kasse ist. Wenn die Erträge hoffentlich stärker sprudeln, muss sie dann aber Mehrausgaben bewältigen: „Fremdfinanzierung führt immer zu Nachteilen“ – in diesem Fall mehr als 100 Millionen Euro, sagte Lütke Daldrup.

Die FBB erkundet nun, ob es Interessenten gibt. Am 4. Mai berät der Aufsichtsrat wieder über das Thema.

Im Aufsichtsrat ging es auch um den Baufortschritt. Insider bezweifeln, dass das zentrale Terminal tatsächlich Ende 2018 fertig wird. „Die bauliche Fertigstellung in diesem Jahr wird weitestgehend angestrebt“, sagte Lütke Daldrup am Freitag. Für die meisten Anlagen würden die Arbeiten 2018 komplett abgeschlossen.

„Sachverständige werden unsere Arbeit evaluieren“

Für drei Gewerke könnten sich notwendige Prüfungen aber bis ins erste Vierteljahr 2019 hinziehen. Dabei gehe es um Steuerungen für den Fall eines Brandes, die Siemens neu programmieren muss. Auch bei der Verkabelung, bei der ROM Technik Mängel aus der Imtech-Zeit beseitigt, dauern die Prüfprozesse bis 2019. Die Umbauten an der Sprinkleranlage, deren Rohre zum Teil zu klein sind, sollen zwar noch vor August 2018 enden. Doch die Prüfungen werden dauern – auch weil es um eine so große Anlage geht. Im Terminal gebe es 78.000 Sprinklerköpfe.

Angesichts der Pannen am BER regten Experten vor Jahren an, dass externe Fachleute die Gremien überprüfen und bewerten. Das soll mit dem Aufsichtsrat 2018 geschehen, so Bretschneider. „Sachverständige werden unsere Arbeit evaluieren.“