Berlin - Krankheit ist nicht gleich Krankheit. Früher war es für eine „Ungesundheit“ nötig, dass ein Arzt dafür eine Ursache nachweist und die Betroffenen erkennbare Symptome haben. Bei Corona reicht es bislang aus, dass es eine Ursache gibt – nachgewiesen durch einen positiven PCR-Test. Symptome sind nicht unbedingt nötig. Diese Sicht muss sich ändern.

Da ist zum Beispiel ein Paar im Norden von Berlin. Montags vor Arbeitsbeginn hatte der Mann einen positiven Schnelltest, ergatterte tatsächlich noch am selben Tag einen PCR-Test und ist, seit das Ergebnis vorliegt, als Geimpfter nun in häuslicher Quarantäne. Vielleicht hat er die Omikron-Variante, jedenfalls ist er frei von Symptomen. Wegen des positiven Tests darf er nicht vor die Tür. Das muss nun seine Frau übernehmen. Die ist allerdings schwer an einer winterlichen Grippe erkrankt und müsste ins Bett. Ihre täglichen Corona-Tests sind bislang negativ. Sie geht deshalb einkaufen - im Gegensatz zu ihm.

Die harte Sichtweise auf Corona sollte sich ändern – Omikron scheint es möglich zu machen. Diese Variante ist offensichtlich nicht mehr aufzuhalten, aber sie kann vielleicht helfen, schneller aus der Pandemie herauszukommen: Der oft milde Verlauf lässt hoffen. Deshalb sollten nun nicht mehr alle, die positiv getestet werden, mit aller Härte des Infektionsschutzgesetzes so eingeschränkt werden wie bei Delta und der Gefahr eines schweren Verlaufs.

Nun sollten nur noch jene als krank gelten, die auch Krankheitssymptome haben. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr bei Omikron sitzt sonst bald das halbe Land in Quarantäne. Deshalb sollten sich Ärzte, Krankenhäuser, Labore und Pflegeheime – die gesamte Gesellschaft – nun voll auf den Schutz der Alten, der Gefährdeten und der Kranken konzentrieren.