Die Geschenke meines Mannes sind fast immer eine Enttäuschung

Sie fragen, unser Mann für die Liebe antwortet: Unterm Weihnachtsbaum zweifelt Clara alle Jahre wieder daran, dass ihr Mann sie überhaupt kennt.

Schenken will gelernt sein.
Schenken will gelernt sein.imago/Westend61

Clara, 47: Mein Mann und ich sind seit knapp 20 Jahren verheiratet und im großen und ganzen haben wir eine schöne Ehe. Zu Weihnachten gibt es allerdings jedes Jahr aufs neue Konfliktpotenzial, denn die Geschenke meines Mannes sind fast immer eine große Enttäuschung. Ich versuche schon immer, mir vorweg keine Hoffnungen zu machen, aber wenn ich dann wieder irgendwas auspacke, mit dem ich wirklich nichts anfangen kann, frustriert mich das. Weil ich dann das Gefühl habe, dass er mich gar nicht kennt oder sich keine Gedanken darüber macht, wie er mir eine Freude machen kann! Seine Antwort ist meistens: Ich hätte ja schon alles. Sollten wir Geschenke einfach abschaffen?

Liebe Clara, das ist eine schöne Weihnachtsfrage. Als Kinder waren wir alle hibbelig, wenn es auf Weihnachten zuging. Bei uns gingen die Eltern zuerst in das Zimmer mit dem Weihnachtsbaum und den Geschenken. Dann, nach einer unendlich langen Zeit, ertönte ein Glöckchen, und wir durften rein. Die Kerzen brannten und die Geschenke lockten. Die Eltern strahlten und sahen uns glücklich dabei zu, wie wir uns auf unsere Geschenke stürzten. Leuchtende Kinderaugen, oder – wenn es das Falsche war – abgrundtiefe Enttäuschung bei uns Kindern und nervöse Bewegungen bei den Eltern.

Als wir kleiner waren, waren es eher Spielsachen, deren „Nutzen“ nur wir Kinder erkennen konnten. Etwas später waren es dann auch nützliche Dinge wie ein Schulranzen oder ein Füller. Socken waren immer dabei. Als Erwachsene hatten wir ja dann alles selbst. Die Geschenke wurden wieder „nutzloser“.

Es geht darum, das Herz des anderen mit der Geste des Geschenks zu berühren

Für unsere Jungs, beide Mitte 30, finden wir immer noch das eine oder andere „Sahnehäubchen-Geschenk“. Für uns Eltern, 30 Jahre zusammen, finden wir dagegen nur noch sehr selten „nützliche Dinge“. Ich beginne schon zu Ostern die Ohren zu spitzen, dennoch finde ich oft nichts. Wir haben alle wichtigen Dinge. Es geht jetzt darum, das Herz des anderen mit der Geste des Geschenks zu berühren. Wir versuchen zu sehen, wer der andere ist, und möchten ihm so unsere Liebe zeigen.

Ihr Mann hat wahrscheinlich recht, wenn er sagt, Sie hätten ja schon alles. Aber Ihr Wunsch ist ja nicht noch ein Ding, das Sie sich selbst kaufen könnten, sondern Sie möchten zu Weihnachten von Ihrem Mann überrascht, geliebt und erfüllt werden. Wie können Sie mit ihm über die Liebe hinter den Dingen ins Gespräch kommen? Und wie können Sie ihm eine „Honigspur“ zu den Dingen legen, die Ihnen Freude machen würden?