Berlin - Franz Rembold öffnet eine Glasvitrine, nimmt die Langspielplatte mit dem grauen Umschlag heraus und legt sie auf den Besprechungstisch. „Wolf Biermann Chausseestraße 131“ steht oben auf dem Cover, darunter ein großes Schwarz-Weiß-Foto. Es zeigt den Liedermacher in einem alten Ohrenledersessel, seine Gitarre lehnt in einem anderen Sessel, auf einem Tisch am Rand steht eine Schreibmaschine, an den Wänden Bücherregale und viele Bilder. Es ist das Original eines berühmten Plattencovers. Es gibt nicht viele Alben, die nach einer Straßenadresse benannt sind.

Wolf Biermann hat diese Adresse bekannt gemacht. Wenn man sich ein wenig mit der Geschichte dieses Hauses beschäftigt, stellt man bald fest: Sie beginnt natürlich nicht mit dem Mieter Biermann. Sie ist verbunden mit noch viel dramatischeren Schicksalen aus der finstersten Zeit der jüngeren deutschen Geschichte. Denn einst gehörte das große Eckhaus Chausseestraße 131 wohlhabenden jüdischen Bürgern, die ihr Eigentum während der Naziherrschaft verloren. Erst mehr als sechs Jahrzehnte später haben ihre Erben es auf verschlungenen Wegen zurückerlangt, auch mithilfe von Franz Rembold.

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