Nichts bewegt sich mehr ... Warnstreik der Gewerkschaft Verdi.
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BerlinVerwaiste U-Bahnhöfe, geschlossene Busdepots. Die drei jüngsten Warnstreiks bei der BVG liegen nicht einmal anderthalb Jahre zurück, da drohen erneut Arbeitsniederlegungen. Falls die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände bundesweite Rahmentarifverhandlungen ablehnt, könnte es laut Gewerkschaft Verdi dazu kommen. Aber auch auf Berliner Landesebene stehen die Zeichen auf Streit. Verdi verlangt eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.

Dass jeder Gewerkschaftsforderung ihre angebliche Unbezahlbarkeit entgegengehalten wird, ist nichts Neues. Doch 2019 einigte man sich zu Recht darauf, die Bezahlung um durchschnittlich 17 Prozent zu verbessern. Schließlich lag das Landesunternehmen im bundesweiten Vergleich weit zurück – was für viele Bereiche des öffentlichen Dienstes in Berlin immer noch gilt. 2720 Euro Einstiegslohn für einen Busfahrer waren zu wenig, um der BVG dauerhaft genug Bewerber zu verschaffen. Es war richtig, das zu ändern – auch wenn die Personalkosten um 102 Millionen Euro pro Jahr gestiegen sind.

Für Corona kann die Gewerkschaft nichts. Aber sie muss anerkennen, dass das Umfeld ungünstig geworden ist – zumal für Verbesserungen, die sich allein bei dem Konflikt auf Landesebene auf 45 bis 50 Millionen Euro pro Jahr summieren. Schon vor Corona verschlechterte sich die Finanzlage der BVG, die jetzige Krise hat die roten Zahlen noch röter gefärbt. Die BVG ist wieder zum Kostgänger des Landes Berlin geworden, was politisch irgendwann erneut zu Übersprungshandlungen führen könnte. Der damalige Sparkurs unter Rot-Rot hat ihr bereits schwer geschadet. Die Gewerkschaft kann die besondere Lage nicht ignorieren. Sie muss aufpassen, dass sie den Bogen nicht überspannt.