Sparkasse: Berliner haben kaum noch Geld zum Sparen

Die Berliner Sparkasse hat in der ersten Jahreshälfte ihren Gewinn ausbauen können. Bei den Kundeneinlagen machen sich die Krisen jedoch deutlich bemerkbar.

Das erste halbe Jahr 2022 lief für die Sparkasse Berlin ganz gut.
Das erste halbe Jahr 2022 lief für die Sparkasse Berlin ganz gut.imago

Mehr Kunden, mehr Kredite, mehr Gewinn. Trotz Krieg, Inflation und beispiellos gestiegener Energiekosten geht es der Berliner Sparkasse prächtig. 43 Millionen Euro hat Berlins führende Bank in der ersten Jahreshälfte verdient – elf Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. „Mit dem Erreichten sind wir zufrieden“, sagt Johannes Evers, Chef der Hauptstadt-Sparkasse.

Vor allem das Kreditgeschäft florierte. Darlehen im Umfang von 2,1 Milliarden Euro wurden im ersten Halbjahr neu ausgegeben und erhöhten den Kreditbestand der Sparkasse auf 26,75 Milliarden Euro. Größten Anteil daran hatte die gewerbliche Immobilienfinanzierung. Allein in diesem Segment wurden von Januar bis Juni neue Kreditverträge über insgesamt 1,15 Milliarden Euro unterschrieben, was nahezu einer Verdopplung des Volumens entspricht. Der Bestand an Krediten in der gewerblichen Immobilienfinanzierung stieg damit auf 13,5 Milliarden Euro.

Das Geschäft mit privaten Baufinanzierungen war dagegen etwas rückläufig. Dort sank das Neukreditvolumen binnen eines Jahres um etwa 80 Millionen Euro auf 507 Millionen Euro, wozu gestiegene Zinsen beigetragen haben dürften.

Und auch an anderer Stelle ist eindeutig ablesbar, dass die finanziellen Belastungen für die Berliner stärker als bisher zugenommen haben. „Unsere Kundinnen und Kunden haben im ersten Halbjahr deutlich weniger Rücklagen gebildet“, sagt Evers. Summierten sich diese in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres noch auf 765 Millionen Euro, so wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nur noch 449 Millionen Euro auf die hohe Kante gelegt. Sparen ist für viele angesichts drastisch gestiegener Kosten nicht mehr oder kaum noch möglich.

Die Erwartungen für das Gesamtjahr bezeichnet man bei der Berliner Sparkasse selbst als „zurückhaltend und vorsichtig zuversichtlich“. Zwar sei die Zahl der Arbeitslosen weiter zurückgegangen, Branchen wie die Digitalwirtschaft und wissensintensive Dienstleistungen stützten das Wachstum. Auch Gastgewerbe und Tourismus zögen wieder deutlich an. „Allerdings dämpfen weiter steigende Preise und Kaufkraftverluste, eine spürbare Verunsicherung der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie der Material- und Arbeitskräftemangel die Aussichten“, so der Sparkassenchef. Jetzt kommt es darauf an, dauerhaft höheren Inflationsentwicklungen entgegenzuwirken. Weitere Zinsschritte der Europäischen Zentralbank sollten laut Evers daher folgen. Als Reaktion auf die Zinsanhebung der EZB hat die Berliner Sparkasse das sogenannte Verwahrentgelt inzwischen vollständig gestrichen.

Auch bei der Risikovorsorge bleibt die Sparkasse zuversichtlich. Hatte etwa die Commerzbank ihre Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite von 87 Millionen Euro vor einem Jahr auf nun 106 Millionen Euro angehoben, so belässt die Sparkasse das Volumen bei 75 Millionen Euro.