Die Schlange der Tesla-Gegner vor der Stadthalle in Erkner.
Foto: Berliner Zeitung/Jens Blankennagel

ErknerDer Einlass sollte um 9 Uhr beginnen. Um 9.01 Uhr standen gerade mal 19 Leute in der Schlange vor der Stadthalle in Erkner. Sie sind gekommen, um ihren Unmut über die von US-Milliardär Elon Musk geplante Autofabrik in Grünheide (Oder-Spree) vorzubringen. Es ist der erste Erörterungstermin zur sogenannten Gigafactory 4.

Insgesamt sind nach Angaben des zuständigen Landesumweltamtes 414 schriftliche Einwendungen eingegangen. Nur diese Personen haben das Recht, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Sie dürfen dort ihre schriftlichen Einwendungen erläutern und Nachfragen beantworten. Es sind auch Vertreter der staatlichen Behörden da und Leute von Tesla.

Am Abend vor der Anhörung erlitten die Gegner eine Niederlage. Einer ihrer Hauptkritikpunkte an der Fabrik für Elektroautos ist, dass dort so viel Wasser verbraucht wird, dass die Wasserversorgung der gesamten Region gefährdet sei. Am Dienstagabend demonstrierten in Strausberg etwa 20 Tesla-Gegner, weil dort der Wasserverband Erkner-Strausberg tagte. Trotz des kleinen Protests haben die Bürgermeister und Ortsvorsteher den Vertrag mit Tesla mehrheitlich abgesegnet. „Das ist natürlich eine herbe Enttäuschung“, sagte Manuela Hoyer, die Chefin der Bürgerinitiative Grünheide, am nächsten Morgen der Berliner Zeitung.

In der Schlage vor der Stadthalle Erkner steht auch Nadine Rothmaier, Chefin des hiesigen Kreisverbandes des Naturschutzbundes (Nabu). Auf die Frage, was sie an den Plänen von Tesla kritisiert, betont sie: „Eigentlich fast alles.“ Und dann holt sie aus: „Das Planungsverfahren mit allen Gutachten und Untersuchungen hätten ein Jahr vor Baubeginn starten müssen, damit alle relevanten Aspekte – auch die des Naturschutzes – gründlich hätten geprüft werden können.“ So aber habe Tesla seine Pläne für Grünheide im Herbst bekannt gegeben und bereits im Frühjahr ohne offizielle Baugenehmigung, sondern nur mit vorzeitigen Sondergenehmigungen begonnen.

„Die Wasserversorgung ist für die inzwischen immer größer werdenden Pläne von Tesla noch längst nicht gesichert“, sagt sie. Es seien nicht die nötigen Gutachten erstellt worden, es wurden keine Alternativstandorte gesucht, es gebe kein vernünftiges Verkehrskonzept und kein Konzept für die Ausgleichsmaßnahmen für die Rodung der Wälder. Ihre Forderung: „Der Bau muss sofort gestoppt werden. Es darf keine vorzeitigen Baugenehmigungen mehr geben. Es muss sich viel mehr Zeit genommen werden, die Unterlagen zu prüfen.“

Dann, gegen 9.20 Uhr beginnt die Einlasskontrolle. Inzwischen sind die Schlangen richtig lang. Insgesamt gibt es in der Halle etwa 150 Sitzplätze. Um 10.35 Uhr sagt Verhandlungsleiter Ulrich Stock: „Ich bitte Sie, Ihre Plätze einzunehmen.“ Genau 109 Plätze sind besetzt.

Die Halle ist für drei Tage gemietet. Ob bis dahin alle relevanten Fragen abgearbeitet sind, weiß noch niemand.