Grundschüler bekommen auch künftig so gut wie keinen Unterricht und werden kaum staatlich betreut.
Foto: Christian Charisius/dpa

BerlinNeben den Kranken entwickeln sich die Kinder derzeit zu den Hauptleidtragenden der Corona-Krise. Denn anders als die Wirtschaft, die der Regierung Milliarden abtrotzt, haben sie keine Lobby, bekommen auch künftig so gut wie keinen Unterricht und werden kaum staatlich betreut. Obwohl die Schulen ab Montag wieder hochgefahren werden.

Laut Senat beginnt in Berlin am Montag wieder der „Unterricht“ für die Erstklässler. Konkret heißt das zum Beispiel in einer Schule in Friedrichshain, dass sie erst am Freitag in die Schule dürfen. Für drei Stunden – wohlgemerkt an einem Tag der Woche. Das wären in den sechs Wochen bis zu den Ferien 18 Unterrichtsstunden. Weniger als sonst in einer Woche.

Hortbetreuung gibt es gar nicht. In anderen Schulen existieren andere Modelle, aber nicht mit mehr Unterricht. In einer Schule heißt es, Schulspeisung sei möglich, aber nicht erwünscht.

In Island, dem Land mit der prozentual am umfassendsten getesteten Bevölkerung sind alle Schulen wieder wie vor Corona geöffnet – ohne Abstandsregelung, ohne Mundschutz. Denn Studien haben dort gezeigt, dass kein Kind einen Erwachsenen mit Corona angesteckt hat.

In Deutschland sind nicht nur die Grundschüler die Leidtragenden, weil ihr Unterricht so gut wie nichts mit den üblichen Anforderungen der Schulpflicht zu tun hat, sondern auch ihre Eltern. Während überall das wirtschaftliche Leben wieder hochfährt, können sie auch nach sieben Wochen Kinderbetreuung zu Hause noch nicht wieder arbeiten wie die anderen. Weil das Land die Kinder vergisst, könnten ihre Eltern die ersten sein, die entlassen werden. Eine doppelte Bestrafung.