Berlin - Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Picknick. Oder wie ein Kaffeekranz im Freien. Mehrere Menschen sitzen am gedeckten Frühstückstisch, mitten am Maybachufer, der Neuköllner Seite des Landwehrkanals. Die Zelte rundherum verraten, dass es sich hier um einen inoffiziellen Obdachlosentreff handelt, eine freiwillige Aktion, die mitten im Lockdown den Ärmsten der Armen das Gefühl eines gemütlichen Zuhauses zurückgibt. „Tischlein, deck dich“ hat jemand auf ein Schild gemalt, fast als wäre das hier ein Märchen von Grimm.

Auf dem Tisch stehen Blümchen, Brötchen und Streuselkuchen. Aufgestellt hat das alles eine Anwohnerin, die sich Anneliese nennt. Die 72-Jährige sitzt in einer Sofaecke, die sie hier aufgebaut und dekoriert hat, mit Girlanden, Kissen und Krokussen, auf einer Aussichtsplattform, auf der sonst Spaziergänger stehen. Seit Wochen versorgt sie so täglich Obdachlose. Passanten halten oft an und lassen Sachspenden hier, Süßigkeiten, Kleidung oder Lebensmittel, Anneliese sammelt und hat alles im Auge. Es soll nur Gutes auf dem Tisch stehen und ordentlich aussehen. Eine Frau, die heute mit am Frühstückstisch sitzt, sagt: „Anneliese ist die gute Seele von Neukölln.“

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