Mehr als anderthalb Jahrzehnte soll es noch dauern, bis die S-Bahn wieder nach Falkensee fährt. Auch die Eröffnung des Regionalbahnhofs Köpenick und des S-Bahn-Tunnels vor dem Brandenburger Tor werden zahlreiche Berliner nicht mehr erleben. Viel Zeit wird noch vergehen, bis wichtige Projekte angepackt und abgeschlossen werden. Das zeigt eine interne Liste der Deutschen Bahn (DB), die dem SPD-Abgeordneten Sven Heinemann zugeleitet worden ist.

Neue Schienennetze sparen Zeit

„Für mich ist das ein Hilferuf“, sagte er. Es sei unglaublich mühselig, dringend notwendige Erweiterungen des Verkehrsnetzes auf den Weg zu bringen. Um dies zu beschleunigen, müssten alle Akteure an einen Tisch. Heinemann: „Berlin braucht einen Bahngipfel, noch vor der Sommerpause.“

Das Projekt im Süden von Berlin, für das jüngst unter den Pfiffen erboster Anwohner der Baustart gefeiert wurde, ist ein Extremfall. Mehr als 21 Jahre, nachdem das Genehmigungsverfahren beantragt wurde, geht der Neubau der Dresdner Bahn nun endlich in die Vollen. Ab 2025 sollen dort nicht nur Züge zum Flughafen BER oder nach Prag fahren, auch Pendlern aus Zossen oder Rangsdorf wird der Lückenschluss den Alltag erleichtern. Sie sparen viel Zeit, weil ein langer Umweg wegfällt.

Bau der Strecken für die Hauptstadt-Region geht schleppend voran

Doch immerhin wird nun gebaut. Dagegen warten andere wichtige Verkehrsprojekte weiterhin auf den Start, oder sie befinden sich am Anfang. „Mit dem bisherigen Planungstempo sind wir in vielen Fällen nicht weit gekommen“, so der SPD-Haushaltspolitiker Heinemann, der sich mit Verkehrsthemen befasst. Während die Hauptstadt-Region wächst, bleibe der Ausbau des Bahnnetzes zurück: „Es ist fünf nach zwölf.“

Ein Blick in die Liste der Bahn: Der Turmbahnhof Karow, der im Nordosten einen wichtigen Umsteigepunkt schafft, wird frühestens 2025 fertig. Auch der Nordteil der City-S-Bahn zwischen dem Ring und dem Hauptbahnhof sei erst 2025 komplett. Das zweite S-Bahn-Gleis zwischen Schönholz und Tegel, wichtig für den geforderten Zehn-Minuten-Takt auf der Linie S25, und der Bau des S-Bahnhofs Borsigwalde werden für 2026 avisiert. Das gelte auch für die Wiedereröffnung der S-Bahn Hennigsdorf– Velten, die beim Mauerbau 1961 ihren Anschluss aus Berlin verlor und 1983 eingestellt wurde.

Immerhin, bei der Siemensbahn im Bezirk Spandau drückt die DB aufs Tempo. Nach ihrer Einschätzung könnte die Trasse von Jungfernheide nach Gartenfeld, die auch den Siemens-Campus erschließen soll, 2028 wieder in Betrieb gehen – nicht weniger als 48 Jahre nach ihrer Stilllegung, aber immerhin zwei Jahre früher als vom Senat angekündigt.

Bauverhältnisse erschweren die Lage

Noch mehr Zeit soll vergehen, bis eine noch wichtigere Netzergänzung wieder in Betrieb geht. In ihrer Liste peilt die DB den Beginn des Regionalverkehrs auf der Stammbahn für 2030 an. Die erste Bahnstrecke zwischen Berlin und Potsdam, die 1945 unterbrochen wurde, wird in der wachsenden Metropolregion wieder benötigt – als zusätzliche Verbindung zwischen den größten Städten, die andere Strecken entlastet und den Berliner Südwesten erschließt.

Die zweite Nord-Süd-S-Bahn, die neue Direktverbindungen ermöglicht, lässt ebenfalls auf sich warten. Der Südteil der City-S-Bahn, der am Gleisdreieck ein Umsteigen zur U-Bahn ermöglicht, kann laut DB erst 2030 ans Netz gehen. Der Mittelteil, der wegen der Bauverhältnisse auf der Westseite des Brandenburger Tores und am Reichstagsgebäude als schwierig gilt, soll 2035 fertig werden. Mit der Wiedereröffnung der S-Bahn-Verbindung Spandau–Falkensee rechnet die DB ebenfalls für 2035 – rekordverdächtige 74 Jahre, nachdem dort in der Nacht des Mauerbaus letztmals eine S-Bahn die Stadtgrenze gequert hat. Für die S-Bahn Blankenfelde–Rangsdorf gibt es noch gar keinen Termin.

Wachstum der Hauptstadt-Region führt zu neuen Aufgaben

„So kann es nicht weitergehen. Vor allem der Bund muss sich stärker engagieren“, so Heinemann. Er fordert Denken und Handeln wie kurz nach der Wiedervereinigung, als rasch Lücken im Netz geschlossen wurden.

Auch Susanne Henckel, Chefin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), setzt sich für Netzergänzungen ein. Seitdem mit den beiden Bundesländern und der DB zu diesem Zweck das Projekt i2030 ins Leben gerufen wurde, gehe es damit nun voran. „Das hatten wir bislang nicht, dass so viele Planerinnen und Planer über die künftige Infrastruktur in Berlin und Brandenburg nachdenken. Da ist etwas in Gang gekommen, was wir nun weiter beschleunigen sollten“, sagte Henckel und lobte die „neue Dimension der Zusammenarbeit“. „Jetzt sollten wir im Interesse der Fahrgäste daran arbeiten, Verbesserungen schnell zu planen und umzusetzen. Hier geht es nicht um Klein-Klein. Wir müssen gemeinsam eine große Aufgabe in der Metropolregion bewältigen. Wir bringen jetzt das Planungsrecht auf den Weg, und dann muss der Bund darauf reagieren und investieren.“