Berlin - Als am Abend des 13. Februar 1945 nach dem Bombardement der Westalliierten Dresden in Flammen stand, nutzte der deutsche Wissenschaftler Victor Klemperer das Chaos, um sich den Judenstern herunterzureißen, zu fliehen und so der unmittelbar bevorstehenden Deportation zu entkommen. Klemperer und seine Frau wollten sich zur vorrückenden Roten Armee durchschlagen. Die hatte am 27. Januar, also etwa zwei Wochen zuvor, das deutsche Vernichtungslager Auschwitz befreit. Die Klemperers retteten in einem Versteck in der Oberlausitz ihr Leben.

Dreieinhalb Jahre hatte Victor Klemperer den stigmatisierenden Aufnäher tragen und dessen erniedrigende Wirkung erleben müssen. Als er am 19. September 1941 erfahren hatte, dass er wie alle Juden im Deutschen Reich mit wenigen Ausnahmen fortan den Judenstern zu tragen hatte, schrieb er empört über die „Lappen in der gelben Farbe, die noch heute Pest und Quarantäne bedeutet und die im Mittelalter die Kennfarbe der Juden war, die Farbe des Neides und der ins Blut getretenen Galle, die Farbe des zu meidenden Bösen“. Den „schwarzen Aufdruck ‚Jude‘, das Wort umrahmt von Linien der ineinandergeschobenen beiden Dreiecke, das Wort in dicken Blockbuchstaben gebildet“, erkannte er als perfide, denn er täusche hebräische Schriftzeichen vor.

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