Feuerwehrleute bringen am U-Bahnhof Wittenau ein sechsjähriges Mädchen in einen Rettungswagen. Es wurde schwer verletzt, als es in einer U-Bahn-Tür eingeklemmt war.
Foto: Morris Pudwell

BerlinAm Donnerstag ereignete sich am U-Bahnhof Wittenau ein schrecklicher Unfall. Nach bisherigem Ermittlungsstand der Polizei versuchten zwei kleine Mädchen, die U-Bahn zur erreichen. Der Fahrer des Zuges hatte bereits das Türschließsignal gegeben. Doch die Achtjährige sprang noch schnell in den Zug und ihre sechsjährige Schwester folgte ihr. Allerdings schloss sich da schon die Tür und das Kind wurde mit dem Unterarm eingeklemmt. Der Zug schleifte es etwa 70 Meter mit in den Tunnel. Das Kind überlebte mit schweren Kopfverletzungen und einem Armbruch.

Der spektakuläre Unfall wirft ein Schlaglicht auf ein alltägliches Phänomen. Die beiden Kinder verhielten sich offenbar so wie viele Erwachsene, wie ihre Vorbilder eben. Tagtäglich sehen Kinder in U- und S-Bahnen und auf der Straße, wie wir Großen uns verhalten. Wir gehen bei Rot, wir drängeln uns in die Züge, auch wenn es schon abgeklingelt hat. Wir springen zwischen sich schließenden Türen noch schnell in den Waggon und klemmen uns den Rucksack ein.

Ganz sicher wird so ein Verhalten auch durch die wiederholten Verspätungen und Zugausfälle gefördert, bedingt durch ein verschlissenes Berliner U- und S-Bahn-Netz. Man will einen Zug unbedingt noch erwischen – denn es könnte ja der letzte sein. Doch das taugt nicht zur Ausrede. Denn wer eine S- oder U-Bahn-Tür, die sich gerade schließt, wieder aufreißt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern nervt eventuell auch viele Tausend andere Reisende, weil er gerade die Tür beschädigt hat. Eine automatische S- oder U-Bahn-Tür ist ein komplexes System. Geht sie kaputt, kann der Zug nicht losfahren. Deshalb sollte man sich überlegen, ob es das wirklich wert ist, eine sich schließende Tür aufzureißen, wenn die nächste U-Bahn fünf Minuten später kommt. Zumindest laut Fahrplan.