Berlin - Ein Hochhaus auf der Fischerinsel, 18. Etage: Andreas Ulrich, Autor, Moderator, Journalist und selten um ein Wort verlegen, hat sich noch nicht ganz daran gewöhnt, dass er seine ehemalige Klassenlehrerin duzen soll. Er klingelt an der Tür am Ende des langen Gangs. Inge Weingart, 75 Jahre alt, Deutsch und Kunsterziehung, bittet uns in die Wohnung. An den Wänden im Wohnzimmer hängen eigene Werke. Es gibt natürlich eine Durchreiche zwischen Küche und Wohnzimmer und auf dem Glastisch liegt das Gruppenbuch der Klasse 5a.

Auf vielen Seiten, gebunden in grünes Leinen, haben Inge Weingarts Schüler in der 15. Polytechnischen Oberschule Berichte von Ausflügen verfasst. Ein Stück im Deutschen Theater, eine Fahrt auf den Fernsehturm, der von hier aus zum Greifen nah scheint, die Kuppel fast auf Augenhöhe, eine Klassenfahrt nach Warnemünde und immer wieder Altpapier. Stolz ist Inge Weingart auf ihre Kinder von der Fischerinsel, ihre erste eigene Klasse. Und ganz besonders stolz ist sie auf Andreas, der sich aufgemacht hat, die Geschichten derer zu finden und aufzuschreiben, die hier in den 70er Jahren ihre Kindheit erlebten. Dabei sei er nie eine Leuchte in Deutsch gewesen, sagt Andreas Ulrich über sich selbst, eher ein Spätentwickler. Dennoch hat ihn ausgerechnet sein Buchprojekt nach vielen Jahren wieder dorthin geführt, wo er von 1970 bis 1981 zu Hause war. Auf die Fischerinsel, zwischen die Hochhaustürme auf der Insel zwischen Spree und Spreekanal, in das Dorf mitten in der Großstadt.

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