Oma hilft aus, kümmert sich, übernimmt Verantwortung. Doch das Älterwerden hat sich verändert, und damit auch die Omas (Symbolfoto). 
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Berlin - Bis vor Kurzem hing an einer Litfaßsäule vor unserer Kita eine Werbung, auf der man eine lachende, ältere Frau mit einem kleinen Kind auf der Schaukel sah. „Für alle, die Verantwortung übernehmen und immer da sind. Die sich immer kümmern, aber niemals fordern“, stand daneben.

Solche Bilder bestimmen immer noch das Image von Großeltern. Auch in Kinderbüchern begegnet man dem Märchen von der Oma, die begeistert einspringt, wenn die Kinder krank sind. Manchmal trifft man solche Omas im Leben, aber sie sind längst nicht die Normalität. Das Bild von den Großeltern hat sich verändert, die Oma, die immer da ist, gibt es immer weniger. Manche wohnen zu weit weg, um regelmäßig einzuspringen.

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Andere sind zu alt und gebrechlich. Weil Frauen später Mütter werden, wächst der Abstand zwischen den Generationen. Es gibt die Eltern, deren Konzept von Vereinbarkeit von Beruf und Familie vollständig an den Einsatz der Oma geknüpft ist. Ich denke an die zwei Chefärzte mit drei Kindern aus Hamburg, von denen ich neulich las: Oma nimmt die Kinder morgens vor der Schule, nach der Schule und auch abends.

Die moderne Oma kauft die gleiche Bluse wie ihre Tochter

Ohne Oma bricht alles zusammen. Wer hat aber solch einen Luxus, wie eine stets verfügbare Großmutter? Die veränderte Rolle der Großeltern hat auch damit zu tun, dass sich das Älterwerden generell verändert hat. Als die Rente vor über hundert Jahren eingeführt wurde, lebten die Menschen danach vielleicht zehn Jahre. Heute kann man damit rechnen, dass man nach dem Renteneintritt noch gut zwanzig Jahre vor sich hat.

Und wenn man nicht sowieso aus finanziellen Gründen arbeiten muss, dann wird erwartet, dass man in diesen Jahren weiter an sich selbst arbeitet, aktiv bleibt. Das gilt besonders für Frauen. Die moderne Oma von heute kauft bei Cos die gleichen Blusen ein wie ihre Tochter, hält sich im gleichen Yogakurs fit.

Bisschen Ruhe, verreisen, spazieren gehen, mit den Enkeln spielen, rumhängen, das gilt nicht. So toll es ist, dass ältere Frauen stärker präsent sind, wie Nancy Pelosi (79), Elizabeth Warren(70), Helen Mirren (74), so sehr schürt es auch die Erwartung, dass man die harten Seiten des Alters verschieben kann, wenn man sich nur anstrengt.

Die Schriftstellerin Juli Zeh hat das Phänomen in ihrem Buch „Neujahr“ gut beobachtet. „Ein oder zwei Mal kommen die Großeltern nach Göttingen, um die Enkel zu ‚babysitten‘, wie sie das nennen. Sie reden über die Geschenke, die sie mitgebracht haben, ohne vorher nach den Wünschen der Kinder zu fragen. Irgendein Blechauto oder ein gefilztes Tier aus einem römischen Handarbeitsladen.“

Helfen, zu den eigenen Bedingungen 

Das Babysitten besteht dann darin, dass Oma und Opa ein von den Eltern organisiertes Programm mit den Enkeln absolvieren. Rolf und Marlies, so heißen Oma und Opa, und sie sind schwer genervt, wenn die Enkel anfangen zu quengeln oder nach Aufmerksamkeit zu verlangen.

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Dann reagieren sie mit Schnaufen, hochgezogener Augenbraue und tauschen Blicke aus. Die Erziehung der Kinder läuft völlig falsch, früher hätte es sowas nicht gegeben. „Wenn sie nach ein paar Tagen wieder zum Flughafen fahren, reden sie im Auto davon, was für ein schönes Familienwochenende das doch war und wie froh sie sind, die Kinder unterstützen zu können.“ Helfen, aber nur zu den eigenen Bedingungen.