Berlin - Der Thai-Streetfoodmarkt im Wilmersdorfer Preußenpark ist eine legendäre Berliner Institution. Nun befürchten die Betreiber, dass die 51 temporären Imbissstände am Wochenende durch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf geräumt werden könnten. Der Grund: zu viel Müll. „Wir haben vom Bezirksamt am 29. Mai eine Abmahnung bekommen, weil wir Einweggeschirr verwenden“, sagt Vereinschefin Parichat Pai. Innerhalb einer Woche sollte auf Mehrweg- oder auf essbares Geschirr umgestellt werden. Im Schreiben vom Bezirk heißt es: „Wir behalten uns vor, bei Verstößen gegen diese Auflagen die betroffenen Händler zur Räumung des Marktes aufzufordern.“

Pais Verein vertritt die  Köchinnen. Früher war die ganze Sache recht unorganisiert; quasi ein wilder, nicht legaler, aber geduldeter Streetfoodmarkt, auf dem die Frauen ihr Selbstgekochtes am Rande der Parkwege verkauften. Mit dem wachsenden Erfolg musste eine rechtliche Regelung gefunden werden. Im Frühjahr unterschrieben  Bezirk und Verein einen Vertrag. Darin steht, dass kein Einweggeschirr mehr benutzt wird. Denn die Müllberge wachsen jedes Wochenende auf fast 30 Kubikmeter.

Doch die Auflagen einzuhalten, fällt den Köchinnen schwer. „Wir sind für umweltfreundliches Einweggeschirr“, sagt Parichat Pai. Essbares Geschirr sei einfach zu teuer. Und Mehrweggeschirr muss gespült werden. „Aber es gibt keinen Strom für uns vor Ort und kein fließend Wasser.“ Da könne der Bezirk doch nicht fordern, dass sie alle Teller abspülen. Die Teller in Eimern abzuspülen, habe das Gesundheitsamt aus Hygienegründen verboten.

Bezirk bleibt beim Einweg-Verbot

Vergangene Woche hatten die meisten Stände auf Mehrweg umgestellt. „Wir fahren das schmutzige Geschirr  mit Handwagen in das Restaurant einer Thailänderin oder die Frauen nehmen die Teller wieder mit nach Hause.“ Im Gespräch sei auch die Nutzung eines Pavillons am Rande des Parks, aber da habe der Bezirk noch nicht das Okay gegeben. Dann erzählt Pai von der Kontrolle am vergangenen Wochenende: „Da wurde einigen Frauen gedroht, den Markt zu räumen. Und wir gehen davon aus, dass diese Woche wieder kontrolliert wird.“

Oliver Schruoffeneger, grüner Umweltstadtrat des Bezirkes, verweist auf die strengen Regularien, die laut Grünanlagengesetz für solche geschützten Anlagen gelten. Im Gesetz heißt es: Die Nutzung müsse schonend erfolgen, es dürfe nichts beschädigt, verschmutzt oder beeinträchtigt werden. Bei Ausnahmegenehmigungen können Auflagen zur „abfallarmen Durchführung“ erteilt werden. Und der Verein habe sich im Vertrag verpflichtet, kein Einweggeschirr mehr einzusetzen. Auch die Verwendung von Pfandflaschen sei vorgeschrieben. „Wenn man einen Vertrag nicht erfüllen will, darf man ihn nicht unterschreiben“, sagt der Bezirksstadtrat.

Bei einer Kontrolle im Mai zeigte sich, dass sich fast niemand an die Auflagen hielt. Deshalb die Abmahnung. Schruoffeneger betont: „Die Durchführung des Thai-Streetfoodmarktes ist politisch gewollt, steht aber nicht im rechtsfreiem Raum.“ Auch sei nicht die Räumung des ganzen Marktes angedroht worden, sondern nur von Ständen, an denen sich nicht an den Vertrag gehalten wird.