Der mutmaßliche Mörder von Susanne F. hat nicht nur eine lange Strafakte. Er konnte zudem nicht abgeschoben werden – unter anderem, weil die Ausländerbehörde nicht wusste, wo er sich aufhielt. Die 60-jährige Susanne F. war am 5. September im Tiergarten erwürgt worden. Einige Tage danach wurde der 18-jährige Ilyas A., ein Tschetschene, der ihr das Handy und 50 Euro geraubt hatte, in Polen verhaftet. Er wurde anhand von DNA-Spuren überführt.

Ilyas A. ist den Ämtern lange bekannt, und dennoch kümmerte sich offenbar keine Betreuungsbehörde um den minderjährigen Flüchtling. 2012 war die Familie des damals 13-Jährigen über Polen eingereist. Sie stellte in Berlin einen Asylantrag. Im Januar 2014 wurde die Familie nach Polen ausgewiesen, das als Erstaufnahmeland zuständig war. Im September kam der mittlerweile 15-Jährige wieder nach Deutschland. Er erhielt eine Duldung bis August 2015.

Ab da verdiente er seinen Unterhalt mit Straftaten. Ilyas A. beging zunächst Diebstähle. Im Mai 2016 stahl er ein Mountainbike. Dann raubte er einem Mann das Handy. Im Juni stahl er ein Fahrrad und wurde erwischt. Ein Jugendstaatsanwalt beantragte keinen Haftbefehl oder Jugendarrest, obwohl der Jugendliche keinen festen Wohnsitz hatte.

Ilyas A. sollte nach Tschetschenien abgeschoben werden

Im selben Monat überfiel Ilyas A. in Moabit eine behinderte 75-Jährige, raubte ihr Handy und Geld und verletzte sie schwer. Kurz raubte er im selben Kiez einer 87-Jährigen die Handtasche. Die Frau erlitt eine Gehirnerschütterung. Danach überfiel er ebenfalls in Moabit eine 98-Jährige und raubte ihr 200 Euro. Zeugen hielten ihn fest und übergaben ihn der Polizei. Laut Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bekam er für diese Taten eineinhalb Jahre Haft.

Nach der Haftentlassung im Dezember 2016 sollte Ilyas A. nach Tschetschenien abgeschoben werden. Doch bei Minderjährigen geht das nicht, wenn das Heimatland für sie keine Unterbringung gewährleistet. Laut Innenverwaltung meldete er sich nur sporadisch in der Ausländerbehörde, die nicht wusste, wo er wohnte. Am 10. August dieses Jahres wurde er 18 – und trotzdem nicht abgeschoben.

Plötzlich hatte er einen Anwalt, der gegen die Abschiebung einstweiligen Rechtsschutz vor dem Verwaltungsgericht beantragte. Am 4. September legte Ilyas A. endlich in der Ausländerbehörde eine Adresse vor, wo er wohnte. Am Tag danach tötete er mutmaßlich Susanne F.