Auf ungewissem Kurs: ein Zug der Berliner S-Bahn.
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BerlinEs waren schwarze Tage für Berlin und Brandenburg. Die größte Krise in der Geschichte der S-Bahn stürzte die Region ins Chaos. Ein großer Teil der Fahrten fiel aus, der Verkehr auf der Stadtbahn musste sogar komplett eingestellt werden – erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Weil das Eisenbahn-Bundesamt zeitweise bis zu drei Viertel der Flotte wegen Wartungs- und Technikmängeln aus dem Verkehr gezogen hatte, gab es nur noch ein ausgedünntes Fahrtenangebot.

Schuld an dem Desaster war nicht etwa ein privates Unternehmen. Den geplanten (und später wieder abgesagten) Börsengang vor Augen, verordnete Bahnchef Hartmut Mehdorn dem bundeseigenen Bahnkonzern einen rigiden Sparkurs, der auch in den S-Bahn-Werkstätten Schaden anrichtete. Auch wenn es dem Engagement vieler S-Bahner zu danken ist, dass sich überhaupt Räder bewegten: Es war ein Staatsbetrieb, der die Hauptstadt-Region zum Spottobjekt machte, noch bevor die Pannen beim Flughafenprojekt BER ins Blickfeld rückten.

Eine faire Chance

Es ist also richtig, wenn für die nun geplante größte Ausschreibung der Berliner Verkehrsgeschichte nach Wegen gesucht wird, einen echten Wettbewerb zu ermöglichen. Konkurrenten der DB müssen eine faire Chance bekommen. Dazu gehört, dass die Länder eine S-Bahn-Werkstatt bauen, die auf jeden Fall verpflichtend genutzt werden muss. Sonst hätte die Bahn, die als einzige bereits solche Technikstandorte hat, einen unaufholbaren Vorteil.

Der Dissens mit Brandenburg zeigt aber, welche Überzeugungsarbeit noch zu leisten ist. Dass auch private Bahnfirmen desaströse Leistungen zeigen, wie Beispiele in anderen Bundesländern belegen, macht die Sache nicht leichter.