Berlin - Im Flur der Friedrichshainer Wohnung von Rosemarie Bank hängen vier Fotos an der weiß getünchten Wand. Auf einem Bild in Schwarz-Weiß sind zwei Kinder zu sehen, die vor einem Haus mit bröckelnder Fassade stehen. Es zeigt Rosemarie Bank als zehnjähriges Mädchen und ihren Bruder Klaus Jürgen. Die Geschwister lächeln stolz in die Kamera. Das Mädchen trägt ein mit Blümchen besticktes helles Kleid, die Haare sind zu Zöpfen geflochten. Der Junge hat kurze Lederhosen an, die er von Verwandten aus West-Berlin geschenkt bekommen hat, und ein weißes kurzärmeliges Hemd.

Das Foto entstand am Tag, als Klaus Jürgen neun Jahre alt wurde. Sechs Tage später lag Rosemarie im Krankenhaus und Kläuschen, wie ihr Bruder genannt wurde, war tot. Ertrunken bei einer Ferienfahrt mit dem Schiff, die vor genau 70 Jahren mit der bisher größten Schiffskatastrophe Berlins endete. 28 Kinder und zwei Erzieherinnen starben bei der Explosion des Motorschiffes „Heimatland“, das gerade im Treptower Hafen abgelegt hatte.

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