Die Berliner Polizei spricht vom „friedlichsten 1. Mai seit Jahrzehnten“. Noch als am Sonntagabend am Oranienplatz die Auseinandersetzungen zwischen Randalierern und der Polizei tobten, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik, man habe eine noch geringere Gewaltbereitschaft festgestellt als im Vorjahr.

Lag es nun daran, dass Berlin mit Iris Spranger eine neue SPD-Innensenatorin hat, die zwei Tage zuvor ein hartes Durchgreifen angekündigt hatte und die am Montag stolz verkündete: „Unser Konzept ist aufgegangen“? Oder soll der Verlauf des Tages als Erfolg verkauft werden, weil es Iris Sprangers erster 1. Mai war?

1. Mai in Berlin: Krawalltouristen blieben zu Hause

Sicher, die Mai-Demos sind – mit Ausnahme des vergangenen Jahres – friedlicher geworden. Das liegt auch an einer gewandelten Szene. Gleichwohl lief wieder der „schwarze Block“ mit, der einer Konfrontation mit „den Bullen“ nicht abgeneigt war.

Dass es – relativ – friedlich blieb, dürfte auch damit zu tun haben, dass der 1. Mai diesmal nicht auf ein langes Wochenende fiel und potenzielle Krawalltouristen aus anderen Bundesländern zu Hause blieben.

Und am neuralgischen Kottbusser Tor, wo eine Polizeiwache entstehen soll, kam es nicht zu den befürchteten Auseinandersetzungen. Das lag unter anderem an der „engen Führung“ durch die Polizei, die Teile des Zuges im Spalier begleitete – allerdings auch nicht zuließ, dass man die Demo verlassen konnte, was für viel Kritik sorgt.

Aber die Aussage vom friedlichsten 1. Mai seit Jahrzehnten wirkt wie Propaganda und wird auch den 29 meist durch Flaschen- und Steinwürfe verletzten Polizisten nicht gerecht.

Woran macht die Polizeiführung das Jubelergebnis fest?

Woran macht die Polizeiführung so ein Jubelergebnis fest? An der geringen Zahl von 74 Festnahmen? Dann wäre der 1. Mai 1989 der friedlichste gewesen – mit nur 29 Festnahmen. Da gab es nie da gewesene Straßenschlachten, die die Polizei völlig überforderten. Im Übrigen gab es ab 2015 auch schon Mai-Ereignisse in Kreuzberg, die so friedlich waren, dass eigentlich nur der Feiertrubel im Kiez eine Rolle spielte.

Am späten Abend und in der Nacht zu Montag brannten in Berlin insgesamt 18 Autos. Sieben wurden vorsätzlich in Brand gesetzt, auf elf weitere griffen die Flammen über. Die Taten ereigneten sich unter anderem in Friedrichshain-Kreuzberg unmittelbar neben einer Polizeiwache, in der wegen der Mai-Demonstrationen Unterstützungskräfte aus Nordrhein-Westfalen untergebracht waren.

Interessanterweise hat die Polizei zu den Bränden „keine Hinweise auf eine politische Motivation“.

Etwas anderes würde auch der Erzählung vom friedlichsten 1. Mai widersprechen...