Steht bald wieder auf der Bühne des Quatsch Comedy Clubs. 
Foto:  Berliner Zeitung/Christian Schulz 

BerlinComedy-Pionier und -Unternehmer Thomas Hermanns hat unruhige Monate hinter sich. Die Verantwortung für 30 bis 40 fest angestellte Mitarbeiter, die meisten davon am Hauptstandort seines Quatsch Comedy Clubs in Berlin, bescherte ihm zeitweise einen unruhigen Schlaf: „Die Phase, in der das Geld von der Stadt noch nicht da war und der Kredit noch nicht bewilligt, war schon gruselig.“ Am 6. August eröffnet er seinen Berliner Quatsch Comedy Club im Keller unter dem Friedrichstadtpalast wieder. Er kann es kaum erwarten: „Endlich wird nicht mehr nur privat gelacht!“

Ein Wort, das danach schreit, jetzt in Comedy-Nummern auseinandergenommen zu werden, hat die Arbeit in seiner Firma seit Wochen dominert: Hygienekonzept. Jeder, der sein Theater wieder eröffnen will, braucht eins. Und natürlich hat auch Hermanns vorgesorgt und eins erarbeiten lassen. Mit knapp der Hälfte der Plätze, die es vor Corona gegeben hatte. Abstandsregeln müssen eingehalten werden. „Wir haben Glück, dass der Club zwei Etagen hat. Auch nachdem wir die Tische auf Abstand gestellt haben, kriegen wir noch 140 Leute rein, wo früher 300 reingepasst haben. Und es fühlt sich auch nicht merkwürdig an, sondern exklusiver.“

Hermanns will auf jeden Fall vermeiden, dass das Publikum irritiert statt amüsiert nach Hause geht: „Du verkaufst ein Entertainmenterlebnis. Das muss komplett funktionieren.“ Für ihn gehören dazu auch Detailfragen wie die, ob die Kellner Mundschutz oder Visier tragen sollen: „Da haben wir gesagt: Das darf das Servicepersonal selber bestimmen. Aber das soll natürlich auch funkeln. Wenn wir eine Schutzmaske aufhaben, dann muss die glitzern. Wir sind ja Entertainment und nicht das Rote Kreuz!“

Der erfolgreiche Comedy-Unternehmer denkt bei dem Tempo, das er jetzt mit der Wiedereröffnung macht, an die Comedians, die den Quatsch Comedy Club groß gemacht haben und die der Club groß gemacht hat: „Die sind für uns wichtig und wir sind für die wichtig.“ Viele von denen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand: „Die 5000 Euro aus dem April sind bei den Berliner Comedians jetzt weg. Die bayerischen Comedians haben erst im Juni 1000 Euro gekriegt. Bei denen wird es jetzt auch eng. Wir wollen die Leute jetzt arbeiten lassen, die sollen jetzt Geld verdienen.“

Zu den ersten, die gleich am 6. August mit Kollegen auf der Bühne stehen werden, gehört der Comedian Herr Schröder, der sich von seinem Beruf als beamteter Gymnasiallehrer beurlauben ließ, um seine Lehrergeschichten auf der Bühne zu erzählen. Vielleicht macht der ja gleich zum Anfang eine Nummer zum Thema „Hygienekonzept“ unter besonderer Berücksichtigung der Jungs der Klasse 9a - Thomas Hermanns wäre darauf gespannt: „Das wird interessant, wie das jeder einbaut oder auch nicht einbaut. Beim Herrn Schröder bietet sich das klar an. Wahrscheinlich hat am Anfang jeder eine Corona-Nummer oder Gags zu Corona. Dann merken alle, dass die Kollegen das auch machen und es bleiben die besten übrig.“ Vielleicht will das Publikum aber auch gar nichts über Corona hören. „Das wird spannend. Ob ich bei jedem Comedian wissen möchte, wie viel Alkohol er im April und Mai getrunken hat, da bin ich mir nicht so sicher…“

Die Auftritte von Kollegen in Autokinos hielt Thomas Hermanns zunächst für eine gute Idee: „So für einen Monat. Die Leute konnten Geld verdienen und auftreten. Wir haben das auch überlegt. Dann fanden wir es aber auch schon nicht mehr so schön und haben uns auf die Wiedereröffnung konzentriert.“ Die Konstellation im Autokino findet er surreal: „Keiner, der da auf der Bühne stand, hat mir erzählt, dass es besonders schön war. Aber es war eine gute Idee, die ihre Zeit hatte. Jetzt ist das echte Erlebnis wieder da und wir können unsere Kraft darauf verwenden.“

Die Eintrittspreise hat Hermanns für den Neustart nicht erhöht, trotzdem wird es nun für einige Besucher teurer. Die etwas günstigeren Plätze ohne Reservierung sind nämlich weggefallen. „Wenn wir ganz voll sind, spielen wir auf Null.“ Er hofft darauf, bald wieder mehr Stühle reinstellen zu können. „Entscheidend ist für alle Privattheater, wie November, Dezember und Januar laufen. Da müssten wir auch mehr als 140 Leute reinlassen, sonst rechnet sich das ganz bestimmt nicht.“ Hermanns hofft, dass Firmenchefs sich einen Ruck geben und sagen: „Wir machen eine Weihnachtsfeier, auch wenn es ein Scheißjahr war!“ Einen Rest Zuversicht hat er: „Vielleicht ist der Humor, den wir verkaufen, genau das, was die Leute dann brauchen. Das wird für uns spielentscheidend.“

In vorweihnachtlicher Geberstimmung ist der Chef vom Quatsch Comedy Club jetzt schon: „Wir haben für alle unsere Clubs insgesamt 3000 Tickets rausgetan für die Leute, die nichts zu lachen hatten oder noch haben.“ Unter dem Motto „All you need is Laugh!“ kann jeder auf der Internetseite des Clubs www.quatschcomedyclub.de seinen Alltagshelden benennen, der ihm durch die Coronakrise geholfen hat und mit einem Gratisticket beschenkt werden soll.

Für Thomas Hermanns selbst hat Corona das Jahr komplett auf den Kopf gestellt: „Ich habe mal gesehen, wie schnell sich ein Kalender leeren kann. Das war wirklich irre. Ich hatte das vollste Jahr meiner Karriere vor mir und dann purzelte das alles raus. Auf einmal hast du frei.“ Viel Zeit zum Nachdenken. „Du machst dann eine Tiefenprüfung: Was tun wir da eigentlich? Und wie wichtig ist Lachen? Ist Lachen systemrelevant oder nicht?“ Sein Ergebnis: „Das ist auf jeden Fall, wenn nicht systemrelevant, dann systemverschönernd. Und muss so schnell wie es geht wieder an die Öffentlichkeit.“

Weitere aktuelle Themen