Cottbus - Die seit 5. Oktober 2017 vermisste damals zwölfjährige Franziska R. konnte von der Polizei aufgespürt werden. Wie die Staatsanwaltschaft Cottbus am Montag mitteilten, fand die Kripo das heute 13-Jährige bei einer richterlich angeordneten Hausdurchsuchung – ausgerechnet im Haus ihrer leiblichen Mutter und deren Freund in Groß Schacksdorf bei Forst.

„Nun wird wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt – wohlgemerkt gegen beide“, sagte Petra Hertwig, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Durfte nicht bei Mutter leben

Weitere Vorwürfe gegen die 52-jährige Mutter und den 46-jährigen Lebensgefährten lauten: Entziehung Minderjähriger und Freiheitsberaubung. Die beide Verdächtigen wurden  festgenommen und am Montag einem Haftrichter vorgeführt.

Mehr Details zu dem Fall will die Polizei derzeit nicht öffentlich machen – mit Rücksicht auf den besonderen Persönlichkeitsschutz von Minderjährigen.

Auf dem Weg zum Arzt verschwunden

Bislang ist bekannt, dass Franziska seit neun Jahren nicht mehr bei ihrer Mutter lebte, weil ein Familiengericht in Berlin der Mutter das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen hatte.

Zuletzt war das Kind in einer Jugendhilfeeinrichtung in Cottbus untergebracht. Von dort aus war sie am 5. Oktober zu einem Arzttermin gegangen und wollte dann in die Schule. Doch als sie am Nachmittag in ihrer Wohngruppe nicht wieder auftauchte, informierte die Einrichtung die Polizei.

Mutter präsentiert ominösen Brief

Franziska hatte kein Handy dabei, offenbar auch kein Geld. Die Polizei begann mit der Suche. Doch die blieb wochenlang erfolglos, also wurden Fahndungsfotos veröffentlicht.

Sechs Wochen nach ihrem Verschwinden präsentierte die Mutter den Ermittlern einen Brief, in dem Franziska schrieb, sie sei aus dem Heim abgehauen und wolle bis zum ihren 18. Geburtstag untertauchen, weil sie ja nicht „nach Hause“ dürfe. Die Mutter und ihr Freund präsentierten sich in einer Boulevard-Zeitung als Opfer des Jugendamtes.

Mehrere Hausdurchsuchungen

Auch die Mutter und deren Freund, der wegen Gewaltdelikten vorbestraft ist, gerieten in den Blick der Ermittler. Doch lange Zeit ohne Ergebnis. Sie wurden von der Kripo sowohl als mögliche Zeugen, aber auch als mögliche Täter befragt – auch in ihrem Haus.

Es gab sogar ein halbes Dutzend Durchsuchungen mit richterlichem Beschluss, weil Nachbarn glaubten, Franziska vor Ort gesehen zu haben. „Aber das Kind konnte damals nicht gefunden werden“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. „Sie war sehr gut versteckt.“

Die Verdächtigen hatten Franziskas Aussehen verändert, sie war seit Oktober nicht in der Schule, war nicht vor der Haustür und war eine Gefangene ihrer Familie.