Bei schönem Wetter füllen sich die Parks wieder deutlich.
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BerlinEs ist wie ein Witz aus alten Zeiten, eine Warnung, die vor Wochen tatsächlich für Sorgenfalten bei vielen Eltern gesorgt hat. Wir sind in der Schule und wollen Aufgaben für die nächste Zeit abholen, denn die ersten Klassen müssen weiterhin zu Hause lernen. An der Tür hängt noch ein alter Zettel: „In unserer Schule ist Scharlach aufgetreten.“

Der Sohn liest es und fragt nach, und ich erkläre es. Da sagt der Sechsjährige den schönen Satz: „Aha, also wie Corona, nur unschlimm.“

So kann man die Welt auch sehen. Als wir eine halbe Stunde später über den Schulhof gehen, stehen dort ein paar Eltern im derzeit üblichen Sicherheitsabstand. Die Kinder laufen derweil wild umher. Eine Junge ruft: „Spielst du mit Corona-Virus?“ Ein Mädchen fragt: „Wie geht das?“ Er antwortet: „Du bist Corona, wir laufen vor dir weg, und du versuchst, uns zu fangen.“ Eine Mutter ruft dazwischen: „Aber ihr dürft euch nicht berühren!“ Die Realität sieht natürlich ein ganz klein wenig anders aus.

So auch auf den Straßen. Seit Montag hat sich die Coronawelt etwas geändert. Wir sehen es nachmittags bei unserem täglichen Spaziergang gegen die Verfettung und die Verödung zu Hause. Wir laufen Richtung Kindergarten. Den Weg sind wir drei Jahre lang gegangen. Jeden Tag zwei Mal. Es gibt einen großen Park. Wir kennen ihn bei jedem Wind und Wetter, bei Sonne und Hitze. Eigentlich würde die Eltern mit ihren Kindern nun aus der Schule oder Kita kommen und nach Hause gehen.

Nun ist der Park brechend voll. So voll wie nie. Viele halten vorbildlich Abstand, aber es gibt auch Leute, die definitiv nicht alle in einem Haushalt leben können und sehr eng sind: drei Erwachsene und sechs Kinder oder vier Jugendliche mit Bierflaschen. Oder fünf Mädels auf Inline-Skates.

Die Sonne strahlt, und die Leuten strahlen auch. Es zieht sie zueinander. Der Mensch ist nun mal ein soziales Wesen. Nicht umsonst ist Einzelhaft die härteste Strafe im Knast.

In Coronazeiten gibt es viele Meinungen und viele Ideen. Nur ein Beispiel: Die vor Monaten von der Wissenschaft noch als wirkungslos belächelten Masken werden nun in immer mehr Städten zur Pflicht. Aber es gibt eine Sache, da sind sich alle einig: Die Abstandsregel hilft.

Doch bei der schönen Frühlingssonne scheint sich diese Idee bei immer mehr Leuten im Kopf aufzulösen wie ein herunter gefallenes Eis.

Das ist ärgerlich. Denn egal, wie man zu all den Verboten steht: Das Abstand-Halten ist die Auflage mit dem geringsten Aufwand und mit der geringsten Einschränkung der persönlichen und demokratischen Freiheiten. Man könnte im richtigen Abstand auch gemeinsam Bier trinken oder auch demonstrieren.

Doch bei einigen sind die alten Gewohnheiten scheinbar stärker als die neuen Ängste. Und so wächst die Gefahr, dass all das bunte Treiben schon bald wieder verboten werden könnte. Und dann ist es da draußen so richtig warm und schön.