Einen Schwerpunkt der Beratung bildete das Thema Dauerverträge. Zum BeispielVerträge für Fitnesstudios, die wegen der Pandemie schließen mussten.
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BerlinDer Lockdown zwang das gesellschaftliche Leben auch in Berlin auf den Nullpunkt. Die Arbeit der Berliner Verbraucherschützer nahm dabei jedoch rasant zu. Je mehr Reisen, Konzerte und Partys abgesagt wurden und Fitnessstudios schlossen, desto mehr Fragen gingen in der Verbraucherschutzzentrale in Tempelhof ein: Welche Rechte habe ich, wenn mein Flug storniert wird? Muss ich einen Gutschein für eine abgesagte Reise akzeptieren? Was ist, wenn ich einen Kredit nicht mehr bedienen kann? „Wir wurden in der Corona-Krise mehr und mehr zur Notrufzentrale für diejenigen, die Hilfe brauchten“, sagte Dörte Elß, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin, am Mittwoch zur Bilanz nach einem halben Jahr Corona-Pandemie.

So hätte sich die Zahl der Anfragen seit März dieses Jahres von Monat zu Monat erhöht. Im April suchten 4000 Berliner Rat bei der Verbraucherschutzzentrale, im Mai waren es 7000. Das waren mehr als doppelt so viele wie im Vergleichsmonat des Vorjahres. Damals zählten die Verbraucherschützer rund 3000 Anfragen. Im Juli normalisierte sich die Zahl der Anfragen wieder auf etwa 4000. Berlins Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt (Grüne) sagte: „Die Corona-Zeit ist auch eine Zeit des Verbraucherschutzes.“ Der hohe Beratungsbedarf zeige, dass die Pandemie die Menschen im Alltag verunsichere.

Besonderen Informationsbedarf hatten die Ratsuchenden zu Fragen rund ums Reisen. So gingen zum Thema Reiserecht bei den 45 Mitarbeitern der Berliner Verbraucherschutzzentrale in der Zeit zwischen März und Juni dieses Jahres so viele Anfragen ein wie im gesamten Jahr 2019. „Das Thema begleitet uns bis heute", sagte Elß. Zunächst hätte die Verbraucher nachgefragt, welche Rechte sie bei abgesagten Flügen hätten. Dann hätten der geplante Sommerurlaub und mögliche Stornierungen eine große Rolle gespielt. Mittlerweile wollten viele Menschen wissen, wie sie ihr Geld für Reisen zurückbekämen.

Fragen zum Verbraucherschutz

  • Die Verbraucherschutzzentrale in der Ordensmeisterstr. 15–16 empfängt seit Mitte Juni wieder Ratsuchende zur persönlichen Beratung – allerdings nur nach Terminvereinbarung unter 030-21485150 oder online unter www.verbraucherzentrale-berlin.de/beratung-be.
  • Termine für die Energieschuldenberatung können unter 030-21485202 vereinbart werden.
  • Ohne Termin ist eine Beratung möglich dienstags von 10 bis 16 Uhr und freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr, zu diesen Zeiten werden Wartenummern vergeben.
  • Weitere Informationen unter www.verbraucherschutzzentrale-berlin.de.

Einen zweiten Schwerpunkt der Beratung bildete das Thema Dauerverträge. Als Beispiel nannte Dörte Elß Verträge für Fitnesstudios, die wegen der Corona-Pandemie schließen mussten. Viele Fragen erreichten die Verbraucherschützer auch zu abgesagten Veranstaltungen. Aber auch Schulden bei den Energieunternehmen spielten bei den Anfragen eine Rolle.  

Doch die Verbraucherschutzzentrale hat nicht nur beraten, sie ist auch gegen Anbieter angeblicher „Wundermittel“ gegen das Covid-19-Virus vorgegangen. Diese Mittel seien plötzlich aufgetaucht und von gutgläubigen Käufern für viel Geld erworben worden, sagte Elß.  Nahrungsergänzungsmittel seien mit  Sprüchen wie „Stärken sie Ihr Immunsystem im Kampf gegen das Corona-Virus“ oder  „Schutz vor und Heilung von Coronaviren“  beworben worden. „Es ist unglaublich, was sich Profiteure der Corona-Krise haben einfallen lassen.“ Laut Elß habe die Verbraucherschutzzentrale von ihrem Verbandsklagerecht Gebrauch gemacht und Abmahnungen ausgesprochen. Eine erste Klage vor Gericht sei gewonnen und so unseriösen Anbietern das Handwerk gelegt worden.

Dörte Elß erzählte, dass sie seit 30 Jahren im Verbraucherschutz tätig sei. Aber sie habe sich niemals vorstellen können, dass die Verbraucherschutzzentrale jemals für Ratsuchende schließen müsse. Am 12. März dieses Jahres wurde noch der Umzug vom Bahnhof Zoo nach Tempelhof gefeiert, vier Tage später war die Anlaufstelle wegen Corona geschlossen. Seitdem wurde das Angebot auf Webberatungen oder telefonische Informationen umgestellt. Erst seit Mitte Juni finden wieder persönliche Gespräche statt. Auch an den drei Standorten für die Energieschuldenberatung.