Abgerechnet wird immer zum Schluss. Daher setzten sich nun wieder die Redakteure des Stadtmagazins „Tip“ zusammen, um ihre allseits gefürchtete Hitparade zusammenzustellen, in der partout kein Mensch stehen will.

Tagelang wurde diskutiert, wer 2017 in Berlin die Peinlichkeit in Person war. Genug Kandidaten gab es. Und so steht die diesjährige Liste der 100 peinlichsten Berliner nun fest.

Kein Politiker an der Spitze der Nervensägen

Erstaunlich ist, dass kein Politiker zum König der Nervensägen gekürt wurde. Auch Spaßmacher Mario Barth, der 2016 auf Platz eins kam, schaffte es nicht erneut. Die „Tip“-Jury verbannte ihn dieses Jahr wegen „schlüpfriger“ Witze auf Platz 39.

Zur größten Überraschung wurde ein Mann peinlichster Berliner, den nur Genießer der fleischlosen Kost kennen dürften. Der Vegan-Gastronom und Kochbuch-Autor Attila Hildmann, der in seinem Charlottenburger Lokal fleischlose, aber sauscharfe Burger anbietet. Weil diese einem Restaurantkritiker nicht mundeten, lud der Koch zum Journalisten-Testessen. Bei Missfallen versprach Veganer Hildmann, ein Steak zu essen. Doch statt dieses in die Pfanne zu legen, karrte er ein Kälbchen an, dass die Journalisten schlachten sollten. „Da hatte sich einer dann endgültig bis auf die Knochen blamiert“, urteilte der „Tip“.

Und die Vize-Nervensäge ist...

Vize-Nervensäge wurde Immobilien-Unternehmer Andreas Bahre. Für viele Berliner ist auch er ein Unbekannter. Nicht für Kreuzberger, die in seinen Häusern wohnen und nichts Gutes über ihn berichten.

Der nächste peinliche Berliner ist bekannt: Polizeipräsident Klaus Kandt, der wegen der Ermittlungspannen im Fall Amri oder den jüngsten Vorfällen an der Polizeiakademie auf Platz drei landete.

2016 war sie noch die Nummer zwei auf der Liste der Peinlichsten: AfD-Politikerin Beatrix von Storch, die der „Tip“ für 2017 auf Platz 10 degradierte. „Ob auf Twitter oder im Bundestag: Die Storch schießt scharf“, so die Jury. Übrigens: Auch die Berliner AfD schubste von Storch vom Vize-Posten im Landesverband.

Jahrelanger Trend zeichnet sich ab

In der Liste der peinlichsten Berliner ist mittlerweile ein Trend erkennbar. So tauchen dort stets die BER-Chefs auf. Wie nun Engelbert Lütke Daldrup, der aus Gründen der Traditionspflege auf Platz 13 landete. Oder es werden Ereignisse zu peinlichen Berlinern erklärt, wie der diesjährige verregnete Sommer (Platz 34). Selbst Tiere ereilt dieses Schicksal. Wie einst Eisbär Knut stehen nun die Zoo-Pandas in der Liste – als „dumme Bambusfresser“ und Rückwärtsläufer auf Platz 27.

Ob es ein Zufall ist, dass ihnen gleich der Regierende Bürgermeister folgt? 2016 hatte die Jury noch Michael Müller verschont, 2017 bekommt er sein Fett weg. Müller hätte sich als Staatsmann aufgespielt, als er in einer Pressemitteilung gegen US-Präsident Donald Trump wetterte, dessen Mauer-Pläne zu Mexiko kritisierte. Weil Schauspieler Ben Becker auch gerne Rabatz macht, taucht er nach 2014 wieder einmal in der Liste auf (Platz 49).

Manchmal reicht es, nur im Internet etwas zu „twittern“, um ein peinlicher Berliner zu sein. Wie Rapper Bushido (Platz 40), der sich im sozialen Netzwerk über eine Postfiliale in Lichtenrade beschwerte.

Auf Platz 77 wählte die Jury Sawsan Chebli, die Staatssekretärin des Regierenden Bürgermeisters, die man als „jung und schön“ bezeichnet hatte. Ihre Debatte darum würde zu den Peinlichkeiten des Jahres gehören. Echt peinlich war allerdings Auto-Lady Heidi Hetzer. Zurück nach einer Weltreise mit einem Oldtimer sagte sie live im ZDF : „Die Schwarzen ... klauen alles.“ Trotz Entschuldigung: Hetzer steht in der Liste auf Rang 83.

Weit unten auf der Liste steht Star-Trompeter Till Brönner (Platz 94). Grund: Sein Zoff mit dem Senat um den geplanten Jazz-Tempel „House of Jazz“. Das Projekt platzte. Brönners Platz 94: Diesen hatte 2016 noch Erotik-Model Micaela Schäfer. In diesem Jahr ist sie bei den peinlichsten Berlinern das Schlusslicht. Wohl aus Gnade gab die Jury ihr Platz 100! Ihre Auftritte und das ständige Zeigen ihrer Brüste hätten sich langsam abgenutzt.