Leerer als sonst, aber irgendwie nicht schöner – der Besuch im Freibad ist seit Corona nicht mehr dasselbe.
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Ein Besuch im Schwimmbad. Kurz nach dem Ticketkauf vor einer Woche sah die Wettervorhersage nicht besonders vielversprechend aus: Gewitter! Ist ja leider momentan nicht möglich, beim Blick aus dem Fenster spontan zu entscheiden. Doch siehe da, am gebuchten Tag ist keine bedrohliche Wolke am Himmel zu sehen und am Eingang zeigt sich, dass die Pandemie auch ihre guten Seiten hat. Keine Schlange, kein Anstehen. Bei knapp 30 Grad.

Es ist 12 Uhr und unbeschreiblich leer. Ein Paradies, wenn man zu schätzen weiß, nicht händeringend ein Stück freie Rasenfläche ergattern zu müssen, um dann auf Tuchfühlung mit Fremden zu liegen. Und trotzdem, ganz tief im Unterbewusstsein ist dieses Überangebot an Platz merkwürdig beklemmend. Trotz Sonnenschein und Freiheitsgefühl ist sehr gegenwärtig, dass irgendwas nicht stimmt, da draußen in der Welt.

Ein Security-Pärchen wirft während seiner Kontrollrunde einen Blick herüber: „Ist das Glas?“, fragt die junge Frau und zeigt auf ein Plastikgefäß, in dem eben noch ein Brötchen lag. Der Fingernagel antwortet mit einem dumpfen Tock-Tock, als er gegen die Box schlägt. Apropos Nägel: Auf der nächsten Decke, gut zehn Meter entfernt, kümmert sich eine Frau gerade akribisch um ihre Pediküre. Es hat nicht den Anschein, als würde sie die abgeschnittenen Nägel aufsammeln.

Erst mal abkühlen. Doch: Das Mekka der Erfrischung, der Sprungturm, ist geschlossen. Das Schwimmerbecken, sonst aufgeteilt in zwei Bahnen zum sportlichen Schwimmen und einen großen Bereich zum entspannten Gleiten und Planschen und Springen von den Startblöcken, ist durchgehend mit Bahnen durchzogen. Der Spaß ist irgendwie nicht der gleiche. Auch auf dem heißen Asphalt vor der Imbissbude, wo die Füße sonst beim Warten Blasen werfen, ist nichts los. Auf dem Grill fristen ein paar Bratwürste ein trauriges Dasein. Die Pommes schmecken nicht wie früher.

Um halb drei kommt die Durchsage: Badeschluss. In einer halben Stunde müssen alle raus sein, dann wird durchgeputzt, bevor der nächste Schwung rein darf. Hinten, vor der Hecke, sucht ein älteres Paar den Austausch mit anderen Gästen. Es ist die Fraktion, die so einen Tag nicht unvorbereitet, sondern mit Klappliegen und XXL-Kühlboxen angeht. Weil sie diesen Aufwand nicht für viereinhalb Stunden betreiben, haben sie auch Tickets für den dritten und letzten Bade-Slot des Tages. Sie wollen nun wissen, ob sie ihre Sachen zurücklassen können, weil sie ja sowieso gleich zurück seien.

Sie fachsimpeln, wie das alles besser zu organisieren wäre, gerade für Leute wie sie, die den ganzen Tag hier verbringen. Dass sie damit anderen den Zugang blockieren und genau das mit den drei Zeitfenstern vermieden werden soll, hat mit Solidarität zu tun. Aber dafür reicht der Platz nicht mehr.