Die Rückkehrer wurden in DRK-Wagen vom Flughafen Tegel zur Klinik in Köpenick gebracht.
Foto: Sabine Gudath

BerlinUm 14.14 Uhr kam der erste Krankentransporter an der DRK-Klinik in Köpenick an, insgesamt fuhren drei Konvois an der Salvador-Allende-Straße vor, die Scheiben der DRK-Wagen waren mit dunkler Folie verklebt. Begleitet wurden sie von Fahrzeugen und einer Mororradstaffel der Polizei.

20 Rückkehrer aus der schwer vom Coronavirus getroffenen chinesischen Stadt Wuhan sind am Sonntagmittag mit einem Flugzeug der Bundeswehr in Berlin gelandet. Die Maschine kam auf dem abgeschirmten militärischen Teil des Flughafens Tegel an. Außenminister Heiko Maas (SPD) äußerte sich nach der Ankunft erleichtert über die Ausreise der Deutschen.

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Die Passagiere, Deutsche und ihre Angehörigen, kommen nun in Quarantäne. Sie werden in einem Gebäude der Kliniken des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Köpenick am südöstlichen Stadtrand untergebracht. „Auch bei dieser Rückkehr gilt, dass die Sicherheit an allererster Stelle steht“, sagte Maas. Auch die Klinik, das DRK und die Berliner Gesundheitsverwaltung betonten, für das Klinikpersonal, Patienten und die Bevölkerung bestehe kein Grund zur Sorge.

Coronavirus-Epidemie breitet sich weltweit aus 

Nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung hatte die Bundesregierung entschieden, die Rückkehrer in Berlin landen zu lassen. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) teilte nach ihrer Ankunft im Rathaus Treptow-Köpenick mit, dass bei der ersten Untersuchung durch den Reinickendorfer Amtsarzt keiner der Ankömmlinge Symptome einer Corona-Infektion gezeigt habe. Kalayci sagte: „Allen geht es gut, sie sind erleichtert, in Berlin angekommen zu sein.“

Nachdem die Heimkehrer im DRK-Krankenhaus Köpenick eingetroffen waren, entnahm der dort zuständige Amtsarzt Abstriche aus Rachen und Nase, die an die Charité ins Labor gebracht wurden. Am Montag gegen Mittag sollen Ergebnisse vorliegen. Diese Prozedur wird alle vier Tage wiederholt werden.

DRK-Generalsekretär Christian Reuter, Bezirksbürgermeister Oliver Igel und Chefarzt Professor Dr. Matthias Pross wiederholten bei einer Pressekonferenz, dass die Quarantänestation räumlich und personell vom Krankenhaus getrennt ist, für die Patienten dort keine Gefahr bestehe. Die „Gäste“ würden von DRK-Mitarbeitern aus dem gesamten Bundesgebiet betreut, nicht von Mitarbeitern der DRK-Schwesternschaft als Trägerin der Klinik.

Weltweit indes breitet sich die Coronavirus-Epidemie weiter aus. Die Zahl der Todesopfer in China überstieg die der Sars-Pandemie vor 17 Jahren. Mit 89 neuen Todesfällen durch die Lungenerkrankung, die Chinas Gesundheitsbehörde am Sonntag bestätigte, kletterte die Gesamtzahl der Opfer weltweit auf 813. An dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (Sars) waren 2002/2003 laut WHO 8096 Menschen erkrankt und weltweit 774 gestorben. Allein in Festland-China und Hongkong hatte es 648 Todesfälle geben.

Wuhan-Rückkehrer sollen 14 Tage im Krankenhaus bleiben 

Außerhalb Chinas sind bislang 3000 Infektionen bestätigt.   Im zweiten Stock eines Verwaltungsgebäudes der DRK-Klinik Köpenick sind zwölf Räume hergerichtet worden, um die Ankömmlinge aus China aufzunehmen. Darunter sind 16 Erwachsene und vier Kinder, Einzelpersonen, Paare, eine drei- und eine vierköpfige Familie.

Die verschiedenen Gruppen werden auch innerhalb des Hauses räumlich getrennt, damit das Virus im Falle einer Infektion nicht übergreift.

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„Diese strikte räumliche und personelle Trennung trägt maßgeblich zur Sicherheit des Personals, der Besucherinnen und Besucher sowie der Patientinnen und Patienten in Köpenick bei“, sagte ein DRK-Sprecher.

Coronavirus im Vergleich und Inkubationszeiten bei verschiedenen Virusinfektionen. 
Grafik: VLZ/Galanty; Quelle: WHO, CDC, OMS, Pasteur, AFP

Die Rückkehrer sollen nach den derzeitigen Plänen 14 Tage in dem Krankenhaus bleiben, untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Sollte jemand mit dem Virus infiziert sein, wird er in die Charité zur Behandlung verlegt und isoliert. Trotz der Sicherheitsvorkehrungen sorgte die Ankunft der Passagiere bei manchen Anwohnern für Besorgnis.

Nach 11 Uhr versammelten sich vor der Klinik etwa 20 Menschen, die gegen die Aufnahme der Deutschen aus China im DRK-Klinikum Köpenick protestierten. Einer der Demonstranten forderte eine maximale Abschirmung und zweifelte an, ob die Schleusen im Quarantänequartier ausreichen.

Coronavirus: Abgesperrte Bereiche für Patienten 

Beate Ristau aus Köpenick ist unsicher, ob man das Virus unter Kontrolle halten könne, falls einer der Rückkehrer erkranke: „Warum bringt man die Menschen in die größte Stadt Deutschlands und nicht in eine abgelegene Kurklinik? In den kommenden Tagen werden die Rückkehrer in einem Dreischichtbetrieb rund um die Uhr von je sieben DRK-Mitarbeitern betreut.

Es ist auch immer ein Arzt anwesesend, sagt Christof Johnen vom DRK-Generalsekretariat. Das Essen liefert der Caterer der Klinik, die Einmalverpackungen werden danach entsorgt. Damit es nicht langweilig wird, stehen den Patienten WLAN, Fernsehapparate und Spielzeug für die Kinder zur Verfügung. Es gibt auch einen abgesperrten Bereich auf dem Gelände, damit die Menschen auch mal an die Luft kommen.

Vor gut einer Woche waren bereits rund 100 deutsche Staatsbürger und Familienangehörige mit einer Maschine der Bundeswehr in Frankfurt am Main angekommen. (mit dpa)