Auf der Admiralbrücke in Kreuzberg werden Nachtschwärmer am heutigen Freitag tierische Gesellschaft bekommen. Ratten! Sie kommen plötzlich, machen viel Lärm und verteilen überall Müll. „Berlin: Die Ratten kommen“ ist ein Straßentheaterstück mit pädagogischem Ansatz. Regisseurin Andrea Bittermann sagt, dass sie die Berliner provozieren will.

Frau Bittermann, was erwartet uns heute Abend auf der Brücke?

Von allen Seiten kommen Ratten. Die Schauspieler haben voluminöse Kostüme an, man sieht, wir haben wohlgenährte Ratten vor uns. Die Performance beginnt mit einem lyrischen Chor. Wir haben auch einen großen orangenen BSR-Eimer dabei. Das ist unsere Trommel, damit erzeugen wir Beats für einen Rap.

Es wird nur musiziert?

Nein, es wird auch eine Geschichte erzählt. Im Theaterstück lädt Jeffry, die Oberratte, nach 20 Jahren ihre alten Rattenkollegen, die in der ganzen Welt verstreut sind, zu einem Picknick im Park ein. Jeffry hat mittlerweile einen Job bei der BSR und ist verantwortlich für den Müll. Das ist für die anderen Ratten erstmal etwas befremdlich.

Eine Mischung aus Musik, Gesang, Theater also?

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Und Spielshow. Wir veranstalten auch einen Quiz. Wir fragen das Publikum zum Beispiel, wieviele Zigarettenstummel die Leute jedes Jahr auf die Straße schmeißen und wie viele Plastiktüten täglich in Berlin über den Ladentisch gehen. Wir verpacken diese schockierenden Zahlen als Show.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Es fing an, als ich im Görlitzer Park joggen ging und praktisch über Müllberge gejoggt bin. Ich dachte, das kann es nicht sein, dass die Leute ihren Müll einfach bedenkenlos überall rumliegen lassen, obwohl es Mülleimer gibt und sie ihren Müll auch mit nach Hause nehmen könnten. Also wollte ich was machen.

Die Stiftung Naturschutz unterstützt Sie dabei?

Dort habe ich ein Projekt mit Laiendarstellern vorgestellt, wo hundert Ratten aus den Gebüschen kommen. Die Stiftung fand die Idee toll, aber ein Stück mit hundert Darstellern zu aufwendig. Also wurden daraus zehn Ratten. Die Thematik blieb aber die Gleiche: Wie gehen wir mit unserem Müll um, vor allem mit den vielen Verpackungen.

Die Ratten sind also wir?

Ja. Aber es geht nicht darum, alle zu besseren Menschen zu machen. Wir können allerdings ein paar Kleinigkeiten in unserem Alltag ändern und ein bisschen achtsamer mit unserem Müll umgehen. Wenn ich ein paar Leute erreiche, bin ich sehr glücklich und die Schauspieler auch. Die sammeln ja jetzt auch ihre Zigarettenstummel wieder auf. Und Schauspieler rauchen viel. Im Stück sammeln die Ratten am Ende auch all ihren Müll wieder auf.

Das Gespräch führte Julia Haak.

„Berlin: Die Ratten kommen“ wird an 16 Terminen im August und September ab 19 Uhr auf der Admiralbrücke, am Urbanhafen, Weichselplatz und James-Simon-Park aufgeführt. Eintritt frei. Informationen unter www.berlin-die-ratten-kommen.de