Der Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg
Foto: Thomas Uhlemann

BerlinDer Glühwein wärmt, die Pilzpfanne brutzelt und der Duft der Lebkuchen weht einem um die Nase. Doch wer sind eigentlich die Menschen, die uns auf den Weihnachtsmärkten der Stadt bis zum Fest und mancherorts auch darüber hinaus diese schönen Stunden bereiten? Die den ganzen Tag in der Kälte stehen und immer ein freundliches Wort haben. Wir stellen sie vor.

Udo Wilms: Weihnachtsmarkt am Schloss Charlottenburg

Die Mandeln brennt er selbst. Udo Wilms ist seit 50 Jahren auf Jahrmärkten unterwegs.
Foto: Thomas Uhlemann

Noch glänzen die Äpfel grün im Karton, doch bald schon sind sie von einer roten Glasur überzogen oder in dunkle Schokolade getaucht. Udo Wilms, 73, stellt die kleine Ladung Granny Smith auf der Ablage am Stand ab. Es ist Mittag und Vorbereitungszeit. In zwei Stunden ist der Osnabrücker wieder für die weihnachtlichen Düfte zuständig: Gebrannte Mandeln, Cashewnüsse, Macadema sowie Schokoladenfrüchte sind sein Geschäft.

Wilms ist ein freundlicher Mann, mit nach hinten gekämmtem, dichtem, weißem Haar und dunkler Brille. In seiner Outdoor-Jacke und dem Karohemd sieht er sportlich aus. Man könnte meinen, er ist zum Spaziergang ans Schloss Charlottenburg gekommen. Doch die kleinen Alleen mit den Buden am Barockschloss sind sein Arbeitsplatz – für die knapp fünf Wochen Weihnachtsmarkt.

Seit mehr als 50 Jahren ist Wilms auf Jahrmärkten und Kirmessen unterwegs. Mit 19 fragte er auf einem Rummel in Osnabrück, ob am Bierstand eine Aushilfe gebraucht werde. Der Chef, der noch ein halbes Jahr jünger war als er, stellte ihn ein und so begann ein Leben im Tross von Fahrgeschäften und Losbuden, zumeist in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Berlin arbeitet Wilms seit 2008. Und wie ist die Berliner Kundschaft? „Freundlich, außer denen, die aus Spandau kommen“, sagt er mit einem Lachen. „Was – vier Euro für die Mandeln? Die sind in Spandau billiger“, hieße es dann.

Die Preise findet Wilms ganz und gar nicht zu hoch. Der Einkauf sei schon teuer und dann würden die Früchte ja auch verarbeitet. Er brennt die Mandeln und überzieht die Früchte mit heißer Schokolade, in dem Stand wird alles vor Ort frisch hergestellt. Die Nussbrennmaschine steht direkt neben der Eingangstür zur Bude. Kupferfarben glänzt die innere Beschichtung. Die Arbeit ist schwer, denn bei der Röstung wird den Nüssen Wasser entzogen, das aufsteigt und die Haut an den Händen zum Platzen bringt. Wilms zeigt die kleinen Wunden an seinen Fingern. Sie werden erst nach Weihnachten heilen.

Aber so ist das eben. Dennoch findet er seine Arbeit normal. „Es ist immer der gleiche Trott“, sagt er. Ein Job, doch einer, von dem er auch als Rentner nicht leicht wegkommt. Wenn der Chef ihn braucht, ist er da. „Aber nur noch im Winter“, betont er. Zu Hause wartet seine Frau. Anders als viele andere Menschen, die auf Jahrmärkten arbeiten, hat Wilms Familie. Als er mal wieder in Osnabrück Station machte, ging er nach der Arbeit in die Disco und fand sein Glück.

Eine Seltenheit – vor allem, dass die Ehe gehalten hat. An Weihnachten kommt seine Frau nach Berlin und die beiden feiern zusammen. Kochen wollen sie nicht, aber das ist ein Problem, denn am 24. Dezember hat kaum ein Restaurant geöffnet. „Letztes Jahr waren wir in der Himmelspagode – das war sehr schön“, sagt er. Bis nach Hohen Neuendorf mussten die beiden fahren.

Seit elf Jahren dasselbe Spiel. Fast ist Wilms zum Heiligabend-Restaurant-Experten geworden. Es ist der einzige Tag, an dem er mal was von Berlin sieht. „Ich war auf dem Fernsehturm, sonst nirgends“, sagt er. Und jetzt muss er dringend weiter vorbereiten.


Anna-Maria Buchmann: Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz

Wichtelmänner zur Studienfinanzierung. Anna-Maria Buchmann jobbt am Breitscheidplatz.
Foto: Thomas Uhlemann

Die beiden Frauen aus Marseille haben keinen Platz im Koffer für einen Kerzenhalter mit aufgesetztem Mobile. „Wir würden es gern nehmen, können es aber nicht transportieren“, sagen sie bedauernd. Gut, dass Anna-Maria Buchmann, 21, fließend Französisch spricht. Sie zeigt den Frauen die schmale Verpackung der Tischdekoration und die beiden greifen zu. Neben ihnen steht eine junge Familie aus Italien, die ein buntes Gläschen für ein Teelicht ersteht. Rechts am Stand prüft ein älteres Ehepaar die Gewürzduftkerzen.

Buchmanns Stand hat eine Toplage auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz: Er befindet sich kurz hinterm Zugang vom Europacenter auf der Seite des Tauentzien. Hier kommt fast jeder vorbei und das bunte Meer aus farbigen Lichtern vor dunklem Hintergrund zieht viele an. Das ist gut für die junge Studentin mit grünen Augen und hochgesteckten Haaren, die hier arbeitet. Wenn das Geschäft gut läuft, kann sie nach Abschluss des Markts auf eine Provision hoffen.

Doch bis dahin ist es noch lange hin, denn der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz hat bis zum 6. Januar geöffnet. Buchmann ist nur am Wochenende und einen Tag in der Woche am Stand. Sie studiert Ökolandbau und Vermarktung in Eberswalde. „Mein Wunsch ist es, einen Bauernhof zu haben“, sagt sie. Ihr erstes Studium brach sie ab und ging für ein freiwilliges Jahr nach Frankreich, wo sie auf einem Ökobauernhof arbeitete. „Früher habe ich mir gesagt: Wenn ich älter bin, ziehe ich aufs Land“, sagt sie. Nach der Zeit in Frankreich wusste sie: Diesen Wunsch will sie sich sofort erfüllen.

Das Jobben zwischen Leuchtgläsern und Mützenwichtelkerzen ist wichtig, damit das klappt. Buchmann bekommt nur das Kindergeld zum Studium dazu. Und so steht sie hinter dem Stand und achtet darauf, ob ein Kunde Hilfe braucht oder nur gucken will. „Ich bin niemand, der die Leute zuquatscht“, sagt sie. Erst wenn sie das Gefühl habe, dass jemand ihre Beratung möchte, klinkt sie sich ein.

Zwei Engländerinnen sind an den Gewürzkerzen interessiert. Buchmann nimmt eine aus dem Regal hinter ihr und hält sie den Frauen zum Schnuppern hin. „Very Christmassy!“, freuen die sich und nehmen eine. Als sie weiterziehen, bleibt Buchmann fröstelnd zurück. Sie hustet und schnupft – eine Erkältung aus der ersten Woche des Markts. „An die Kälte werde ich mich nie gewöhnen“, sagt sie. Auch wenn es im Boden Heizplatten gibt. Wenn sie dicke Schuhe trägt, merkt sie davon nichts.

Immer wieder treten Kunden an den Stand. Das lenkt ab. Einige Fragen nach dem Anschlag vor drei Jahren. „Das ist häufig ein Thema.“ Auch die Polizeipräsenz fällt den Besuchern auf. Es ist kein Weihnachtsmarkt wie die anderen. Dafür sprechen auch die großen Barrieren, die überall aufgebaut worden sind.

Kein einfacher Ort zum Arbeiten, aber Anna-Maria Buchmann macht das Beste draus. Sie erinnert sich an schöne Momente im vergangenen Jahr, ihrem ersten Jahr am Kerzenstand. „An Silvester gab es auf dem Europacenter ein Riesenfeuerwerk“, erzählt Buchmann. Dicht an dicht hätten die Menschen gestanden und in die Höhe geblickt. Ihre Freunde waren gekommen, um mit ihr das neue Jahr zu begrüßen. Das ist ein Moment, der ihr in Erinnerung bleiben wird.


Majid Sultani: Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt

Fernweh an den Kashmirschals. Majid Sultani verkauft Feines aus Wolle und Seide.
Foto: Thomas Uhlemann

Ist es wegen der Schals oder ist es wegen Majid Sultani, dass die Menschen stehenbleiben? Auf jeden Fall fragt eine Besucherin des Weihnachtsmarkts am Gendarmenmarkt, ob sie ein Foto von dem 59-Jährigen machen dürfe. Der Mann aus Kashmir in Nord-Indien ist ein Hingucker – mit seinem langen, grau-schwarz gelockten Bart und den blitzenden, dunklen Augen unterm Lederhut. Sultani weiß das und lässt die Frau das Foto schießen, „weil sie so freundlich gefragt hat“. Er ist schließlich auf dem Markt, um Geschäfte zu machen und nicht um die Passanten optisch zu beglücken.

Vermutlich ist es das Gesamtpaket, das die Frau begeistert. Vor Sultani liegen Hunderte Schals aus feiner Wolle und Seide ausgebreitet, in allen Farben, die die Palette hergibt: von Purpur über Südsee-Blau bis zu Cremeweiß. Es ist schwer sich loszureißen, die Hände greifen nach den Schals, obwohl kleine Schilder warnen: Nicht berühren! Do not touch! Der Besuch an seinem Stand hat etwas Sinnliches. Sind wir noch in Berlin? Reiselust wird geweckt nach fernen Ländern mit Märkten und Bazaren.

Und dann noch die Kälte! Sie fordert einen geradezu dazu auf, den altbekannten Schal, der vorm Rausgehen achtlos um den Hals geschlungen wurde, durch feines Webgut von Sultanis Tisch zu ersetzen. „Alles kommt original aus Kashmir“, sagt er und verweist auf das Paisley-Muster im Schal, den er vor sich ausgebreitet hat. „So, wie in Europa Blumen zur Verlobung geschenkt werden, schenkt der Mann der Frau in Indien zur Verlobung einen Schal mit Paisley-Muster“, erzählt der Händler. Die Paisley-Form ähnele einer Mandel und diese sei ein typisches Hochzeitsgeschenk.

Eine Amerikanerin tritt an den Tisch und wählt einen Schal, der sie durch die kalten Winter in der Hauptstadt Washington bringen soll. „Das ist sehr gut“, bestärkt Sultani sie. Die Wolle atme und dadurch sei sie angenehm zu tragen. Um den Vergleich zu Polyester deutlich zu machen, hat er einen Schal aus diesem Material hinter sich liegen, den die Kunden in die Hand nehmen dürfen, um sich zu überzeugen.

Er ist ein guter Verkäufer, weiß genau, wann er Argumente bringen, wann er schweigen muss. Die Preise sind ordentlich: zwischen 25 und 150 Euro liegen sie. Ein handgestickter Schal mit Blumenmuster bringt den höchsten Preis. Wer über 100 Euro anlegt, bekommt schon ein kleines Kunstwerk, das sicher an jedem Hals bewundert wird. Ein Beamter aus einer nahen Behörde gesteht, dass er jedes Jahr bei Sultani zwei, drei Schals für seine Frau, den Sohn oder sich selbst kauft.

Sultani hat seine Berufung gefunden. Vor einem Vierteljahrhundert kam er, verliebt in eine Deutsche, nach Berlin. Er probierte sich im Einzelhandel, auf Baustellen, in einer Tischlerei und sogar in einem Kraftwerk aus. Nirgends war er so zufrieden und erfolgreich wie hinter dem Marktstand, den er seit mittlerweile 17 Jahren betreibt. Gibt es Schals, die er ungern hergäbe? „Ja, drei“, sagt Sultani und lacht. Die hat er zu Hause. Sie hängen als Dekoration an seiner Wand – so, wie das in Indien mit besonders wertvollen Stücken üblich ist.


Petra Sauerzapf: Weihnachtsmarkt an der Kulturbrauerei

Finnischer Glögi mit spanischem Rotwein. Petra Sauerzapf ist eigentlich Übersetzerin.
Foto: Thomas Uhlemann

Es muss nicht immer Schreibtischarbeit sein, dachte sich Petra Sauerzapf vor gut 15 Jahren und begann, in Finnland nach einem Rezept für ein Weihnachtsmarktgetränk zu suchen. „Dort gibt es in jedem Dorf, bald jeder Familie eigene Rezepte für den Glögi, den finnischen Glühwein“, sagt sie. Häufig sind das Beerensäfte, die mit Hochprozentigem vermischt werden. Die 61-Jährige kennt sich in dem Land bestens aus, denn sie ist Dolmetscherin und Übersetzerin für die Sprache. Eine finnische Freundin verriet ihr schließlich das Rezept ihrer Oma und damit kehrte Sauerzapf zufrieden nach Berlin zurück.

Aus der Idee, mal was anderes zu machen, wurde ein Plan. Die große, blonde Frau holte ein paar Freunde an den Küchentisch. Sie testeten das feine Gesöff aus dem Norden und befanden es für gut. Bald war eine feste Gruppe gegründet, die gemeinsam auf dem Lucia-Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg einen Glögi-Stand eröffnete. „Inzwischen sind wir zwölf Leute“, sagt Sauerzapf. Die Schichten werden geteilt, genauso wie der Gewinn.

Der Glögi schmeckt würzig, ist aber nicht zu kräftig. Man hat den Eindruck, sein Aroma ist differenzierter, natürlicher als beim klassischen Glühwein. Drei Euro kostet ein Glas, mit Schuss sind es vier. Die Basis für den Glögi bildet spanischer Rotwein. Die Gewürzzutaten sind nicht viel anders als beim Glühwein: Ingwer, Vanille, Zitronen- und Orangenschalen, Zimt, Nelken, Kardamom und Sternanis. Die Mischung macht’s und die wird natürlich nicht verraten, sagt Sauerzapf. Die Spirituosen für den Schuss sind ungewöhnlich: finnischer Likör aus Multebeere, Moosbeere oder Blaubeere, finnischer Wodka, Salkmiak- oder Minz-Likör.

Da kann man sich schon durch einige Gläser durchprobieren. Am Stand herrscht Betrieb. „Wir dachten, wir machen das ein, zwei Jahre und dann ist es das“, sagt Sauerzapf. Weit gefehlt – seit 2004 ist der Glögi-Stand fester Teil des Lucia-Weihnachtsmarkts. „Der Glögi hat eine super Qualität. Er schmeckt sehr rein“, sagt ein Kunde. Dieses Kompliment freut Sauerzapf besonders. Schließlich geben sich die Freunde größte Mühe, den besten Glögi hinzubekommen. „Wir setzen uns in die Küche und probieren, bis wir lustig sind“, sagt Sauerzapf. Tetrapaks verwenden die Freunde keine. Der Glögi wird jedes Jahr neu angesetzt und schmeckt deshalb auch immer ein bisschen anders. Hinter Sauerzapf stehen drei große, weiße Kanister am Boden, die mit roter Flüssigkeit gefüllt sind. „An einem Samstag können schon mal 14 20-Liter-Kanister leer werden“, verrät sie. Das sind 280 Liter oder 1 400 Gläser. Kein schlechtes Geschäft.

Kommt der Januar, werden aus den Glögi-Verkäufern wieder Rentner, Reisebüro-Mitarbeiter, Studenten oder eben Übersetzer für finnische Sprache. Der Elchkopf an der Rückwand des Stands und die Weihnachtsdeko aus dem fernen Norden wandern in einen Karton. Bis Ende November ist wieder Bürojob angesagt, aber es kommt die Zeit, da wird in der Küche der Glögi gekocht.


Vladimir Krivickij: Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz

Matrjoschkas, die Geschichten erzählen. Vladimir Krivickij bietet das russische Kinderspielzeug an.
Foto: Thomas Uhlemann

Die Armee aus Lindenholz ist bunt und sieht die Passanten magnetisch an. Kleine und große Püppchen, in Rot, Türkis, Dunkelblau, Grün und Gelb stehen aufgereiht auf der Etalage. Zwei Tage braucht Vladimir Krivickij, 57, um die Truppen in Stellung zu bringen. Es sind aber keine Soldaten, die auf dem Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz neben U-Bahn-Eingang und Straßenbahnschienen in Reih und Glied stehen. Es sind kleine Matrjonas, Mütterchen, auf Russisch: Matrjoschkas.

Sie wecken Glücksgefühle und Erinnerungen und das ist Krivickij durchaus bewusst. Seine Auslage trifft die Nostalgischen, die Mütter und Großmütter, die Liebhaberinnen und Liebhaber russischer Märchen an ihrer empfindlichsten Stelle: der Sehnsucht nach dem Einfachen und Schönen.

Vor mehr als 100 Jahren tauchten die Matrjoschkas zum ersten Mal auf. Ende des 19. Jahrhunderts entwarfen zwei russische Künstler sie, inspiriert von japanischem Spielzeug. Die Idee mit der Puppe, in der Puppe, in der Puppe war allerdings original russisch. Auf Krivickijs Tisch gibt es Varianten von vier bis 13 Püppchen, die ineinander stecken. Sie kosten zwischen sieben und 390 Euro.

Die teuersten sind sehr groß und haben wunderschöne Blumen auf ihrem Kleid. „Daran kann man erkennen, woher die Puppen stammen. Dieses Muster ist typisch für die Stadt Kirow“, sagt er und zeigt auf die aufgeblühten Rosen. Eine andere Puppe trägt ebenfalls eine Rosendekoration – doch die Blätter sind anders gestaltet. „Das ist typisch für Semjonow bei Nischni Nowgorod.“

Fragt man ihn, ob mehr Kinder oder Erwachsene mit den Matrjoschkas spielen, sagt er vage: „Fünfzig – fünfzig.“ Krivickij legt sich ungern fest. Der Russe kam vor 15 Jahren nach Deutschland, versuchte sich in russischen Lebensmitteln, hat Bonbons auf Märkten verkauft, Geschenkartikel, Socken oder Taschen. „Dann habe ich gemerkt: Die Matrjoschkas sind besser“, erzählt er.

Er spezialisierte sich auf das Kinderspielzeug und importiert es aus Kirow, einer Stadt, die 900 Kilometer östlich von Moskau, aber noch westlich vom Ural liegt. Dort werden handbemalte Matrjoschkas traditionell gefertigt. Und wer an dem Stand genau hinschaut, sieht, dass jedes Püppchen anders guckt und die Bäckchen mal richtig rot und mal nur leicht rosa sind.

Wer den Tisch genauer studiert, entdeckt auch, dass die Püppchen ganze Märchen erzählen. In einer Reihe stehen die Figuren aus dem Märchen „Die Rübe“, in dem es darum geht, dass ein Rübchen gezogen werden soll. Doch weder der Großvater, noch die Großmutter, noch ein Mädchen, noch ein Hündchen, noch ein Kätzchen schaffen es. Erst ein Mäuslein kommt auf die rettende Idee: Es müssen sich alle bei den Händen fassen und gemeinsam ziehen. So kommt die Rübe aus der Erde raus.

Eine ältere Dame aus Friedrichshain beginnt zu schwelgen, als sie die Märchen-Matrjoschkas entdeckt. Die Geschichten aus alten Zeiten tauchen vor ihrem inneren Auge auf. Jetzt nimmt sie erst mal eine Drei-Puppen-Variante für ihre Enkeltochter Ronja mit. „Sie ist erst zwei Jahre“, sagt sie ein bisschen entschuldigend, und fügt hinzu: „Ich kaufe das auch für mich.“