Man glaubt es kaum, aber es gibt Leute, die macht die Eiseskälte glücklich – und das nicht wegen der Sonne, sondern weil die Luft so trocken ist wie selten. Wunderbar, jubelt das Landesarchiv Berlin in Reinickendorf. 36 Prozent relative Luftfeuchte – so die Information auf Wetter.de für 15 Uhr des letzten Februartags. Knackig trocken nennt man das, sibirisch eben, denn die Luft kommt aus geradewegs Nordosten und streift auf ihrem Weg zu uns tausende Kilometer über kontinentale Flächen, ganz ohne Meereskontakt. An Tagen wie diesen kann man begreifen, was Meteorologen sagen: Klimatisch gesehen beginnt hier Sibirien.

Bei 50 Prozent relativer Luftfeuchte fühlt sich der Mensch am wohlsten, die Berliner Durchschnittswerte liegen bei 60 bis 70 Prozent – ganz angenehm normalerweise, aber zu viel für die Millionen empfindlichen Dokumente, die in den Magazinen des Landesarchivs am Eichborndamm lagern.

Im Archiv heißt es jetzt: Fenster auf!

Deshalb bereitet der Trockenstrom Referatsleiter Martin Luchterhandt so viel Freude: Das Archiv kann endlich mal so richtig durchlüften! Trockene Luft kostenlos, ohne Energiekosten für’s Runtertrocknen. Seine papierenen Schätzchen brauchen – insofern recht menschlich – ein stabiles Raumklima mit etwa 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit und 18 Grad Temperatur. Übersteigt die Luftfeuchtigkeit den oberen Grenzwert, also etwa 55 Prozent, kann der Schimmel anfangen zu wachsen. Zum Schrecken der Archivare.

Doch so einfach, wie zu Hause – Fenster weit auf, am besten auch noch die Tür, damit hübsch Durchzug entsteht – ist es nicht. Aber die Magazingebäude haben Lüfter auf dem Dach, die braucht ohnehin jeder Bau dieser Art, zum Beispiel für die Entrauchung. Über diese Anlage kann man Luft rauspusten oder einsaugen, wie es gerade passt. Jetzt passt das Einsaugen. Ein Messfühler auf dem Dach informiert über die jeweilige Feuchte der Außenluft, über ein Computerprogramm lassen sich Schwellenwerte und jeweilige Laufdauer einstellen. Nur für das Aufheizen der kalten Luft fallen ein paar Energiekosten an. 

Luchterhandt lobt das Gebäude am Eichborndamm, einen alten Backstein-Industriebau, als „träge“: wenig Fenster, atmendes Mauerwerk, da muss man wenig eingreifen und Vollklimatisierung ist eh zu teuer. Übrigens: Am Sonnabend ist Tag der Offenen Tür.