Auf zwei Rädern durch Berlin. Ein Radfahrer am Potsdamer Platz.
Foto: Picture Alliance/ Jochen Tack

BerlinImmer diese Radfahrer! Ohne Licht. Und dann auch noch auf dem Bürgersteig! So beginnen Diskussionen, die Freundschaften gefährden können. Kampfradler, Radlerrüpel, Radrowdys: Es genügt, das Feindbild zu skizzieren, und schon tobt ein Streit, der meist einen wahren Kern hat, aber zu nichts führt.

Auffällig ist, wie rücksichtslos Radler in Berlin mit ihresgleichen umgehen. Da wird so knapp überholt, dass andere touchiert werden. An Kreuzungen gilt Vordrängeln als Prinzip. Manche Egoisten zwängen sich so weit nach vorn, dass sie zunächst nicht merken, dass hinter ihnen die Ampel auf Grün springt. Ein Hindernis sind auch jene Radfahrer, die seelenruhig mitten auf dem Radweg Mails checken.

Natürlich gibt es auch Radfahrer, die anderen Verkehrsteilnehmern auf die Nerven gehen. Da sind jene Ungeduldigen, die einer Autofahrerin nicht einmal ein paar Sekunden Zeit geben, damit sie endlich ausparken kann. Oder die plötzlich auftauchen und einem Lastwagen, dessen Fahrer nach mehrmaligen Nachschauen abbiegen will, viel zu nahe kommen. Nicht zu vergessen die Gehwegradler, zu denen übrigens immer öfter Senioren gehören.

Alles wahr, alles richtig! Die Forderung, dass die Polizei öfter kontrollieren und ihre Fahrradstaffel  weiter vergrößern sollte, ist sinnvoll. Doch es verzerrt das Bild, wenn man sich nur auf das Negative konzentriert. Die meisten Radfahrer versuchen, sich so durch die Stadt zu bewegen, dass sie sich und andere nicht gefährden – was ihnen nicht leicht gemacht wird. Für den Tod von Fußgängern sind nicht Rad-, sondern meist Kraftfahrer verantwortlich. Dass nicht zuletzt dank Corona der Radverkehr weiter zunimmt, ist eine gute Sache. Es ist sinnlos, sich darüber zu ärgern.