Bei der Berliner SPD hat am Morgen das große Auszählen begonnen. Um kurz nach halb neun fuhr ein gelber Lieferwagen von der Post vor und parkte neben dem Kurt-Schumacher-Haus, der Parteizentrale in der Müllerstraße in Wedding. Etliche Genossinnen und Genossen halfen, die rund 50 gelben Plastikboxen auszuladen, in denen die Briefe mit den Stimmen der SPD-Mitglieder stecken. Etwa 11000 von 17200 Sozialdemokraten haben abgestimmt, hieß es am Morgen, das ist eine Quote von 64 Prozent, also fast zwei Drittel.

Die drei Kandidaten, um die es an diesem Sonnabend geht, werden erst im Laufe des frühen Nachmittags im Kurt-Schumacher-Haus erwartet. Der Parteivorsitzende Jan Stöß, 41, der Fraktionschef Raed Saleh, 37, und der Bausenator Michael Müller, 49, wollen sich später zum ausgezählten Votum äußern.

Im ersten Stock standen Schlitzmaschinen bereit, um die Umschläge schnellstmöglich zu öffnen: 2400 Stück pro Stunde schafft die größte. Rund 60 Parteimitglieder helfen dann bei der Auszählung. In einem Raum werden die eidesstattlichen Erklärungen geprüft, die für eine gültige Stimmabgabe unabdingbar sind. Im Sitzungssaal findet die Zählung statt. Zweimal wird manuell gezählt, die Ergebnisse dann in eine Excel-Tabelle eingetragen. Der SPD-Landesgeschäftsführer Dennis Buchner schätzt, dass die Prozedur bis etwa 15 Uhr abgeschlossen ist. Dann gibt es ein Ergebnis: Entweder hat einer der drei Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen. Er wäre damit der designierte Regierende Bürgermeister von Berlin. Oder es gibt eine Stichwahl in den nächsten zwei Wochen, die am 6. November ausgezählt würde. Als Favorit gilt bisher Michael Müller. Viele Sozialdemokraten trauen ihm zu, bereits an diesem Sonnabend mehr als die Hälfte der Stimmen zu erreichen.

Am Tag zuvor hatte es noch einmal Aufregung in der SPD und der rot-schwarzen Landesregierung gegeben. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) hatte seinen Rückzug angekündigt. Er wolle dem nächsten Senat, also dem des neuen Regierenden Bürgermeisters von der SPD, nicht angehören, hatte er gesagt.