Die tägliche Berg-und-Tal-Fahrt der Spritpreise ist atemberaubend

Auf der Fahrt nach Berlin sah unser Autor in einer Stunde einen Unterschied von 18 Cent. Wie oft ändern Tankstellen eigentlich den Preis und ist das erlaubt?

18 Preisänderungen am Tag: So sind auch mal 10 Euro Preisunterschied pro Tankfüllung möglich.
18 Preisänderungen am Tag: So sind auch mal 10 Euro Preisunterschied pro Tankfüllung möglich.imago/Rolf Poss

Die Preise steigen und steigen: im Supermarkt, im Restaurant, an der Tankstelle. Kriegszeiten sind Krisenzeiten und meist auch Inflationszeiten. Das merkten wir auch an der Müritz. Dort waren wir nicht – wie sonst immer – im Restaurant essen. Die Preise in Touri-Gegenden sind uns inzwischen zu hoch, und die Kinder wollen sowieso nicht ewig still sitzen. Wir haben selbst gekocht, und es war lecker.

Am letzten Tag der Reise war das Wetter besonders schön, die Spritpreise waren aber besonders schlecht: An der Autobahn kostete der Liter 2,08 Euro. Bei der Hinfahrt hatte ich an einer freien Tanke in Berlin nur 1,79 Euro bezahlt. Wir hofften, dass der Sprit doch bis nach Hause reicht.

Der 30-Cent-Unterschied war heftig. Früher mussten Monate oder Jahre vergehen, um solche Preissprünge zu erleben, nun waren nur drei Tage nötig. Und nicht nur das: Als wir eine Stunde später Berlin erreichten, war der Sprit fast 20 Cent billiger als an der Autobahn.

Als wir tanken wollten, sahen wir noch rechtzeitig, dass gerade die Zahlen an der Anzeige ratterten und die Preise mal wieder geändert wurden. Wir fanden noch eine Tanke mit dem billigeren Preis und tankten voll. Natürlich. Immerhin sparten wir fast zehn Euro. Dafür hätten wir Essen gehen können – wenn auch nur am Imbiss und auch nur Pommes.

Beachtliche 18 Preisänderungen pro Tag

Zu Hause schaute ich auf die Internetseite des Bundeskartellamtes, wie das so aussieht mit den Preisschwankungen. Dort gibt es die „Marktransparenzstelle für Kraftstoffe“, mit der typisch deutschen Abkürzung MTS-K. Es gibt zwar noch keine aktuellen Zahlen, aber auch die aus dem Vorjahr sind aufschlussreich: Die Tankstellen vollführten im Schnitt 18 Preisänderungen pro Tag. Im Jahr davor waren es nur sieben gewesen.

Es geht auch anders: In Österreich darf der Preis nur einmal pro Tag erhöht werden – mittags um 12 Uhr. Noch besser: Senkungen sind jederzeit erlaubt. In Deutschland ist eine ständige Berg-und-Tal-Fahrt erlaubt, denn Tankstellen können ihre Preise so oft ändern, wie sie wollen.

Bei der MTS-K heißt es: Morgens sei es besonders teuer, wenn alle zur Arbeit wollen und keine Zeit haben, sich eine billigere Alternative zu suchen. Im Durchschnitt war um zehn nach sieben der tägliche Höchstpreis erreicht, der Tiefstpreis um 19 Uhr. Für Berlin stellten die Fachleute fest: Wer auf seiner üblichen Fahrstrecke auf den Preis schaut und zeitlich flexibel tankt, kann pro Liter und Tag bis zu 20 Cent sparen.

Alle, denen das zu stressig ist, können auch zwischen 0 und 5 Uhr tanken: Da bleibt der Preis meist stabil. Oder sie können – so wie ich es in Berlin mache – möglichst viel mit dem Rad fahren.