Berlin - Wie viel türkisch steckt eigentlich in einem deutsch-türkischen Leben? Sehr viel und sehr wenig. Zumindest in meinem. Als Kind war meine türkische Welt gefühlt viel größer als meine deutsche. Ich verbrachte meine gesamten Sommerferien in unserem Haus am Mittelmeer, in Alanya, inmitten meiner türkischen Verwandten, und jedes Mal kam in den ersten Wochen nach unserer Rückreise eine seltsame Depression in mir auf. Ich klammerte mich in Deutschland an alles Türkische, was ich finden konnte. Ich schaute mit meinen Eltern türkische, sehr dramatische Soap Operas und Spielshows, beispielsweise Survivor; hörte türkische Musik von Bands wie Mör ve Ötesi; las meine türkischen Bücher und Magazine, die ich in Alanya gekauft hatte, und pflegte akribisch meine Fake-Puma-Schuhe, die ich für umgerechnet zehn Euro auf dem Markt aushandeln konnte. Das bedrückende Gefühl löste sich irgendwann auf, aber wiederholte sich jedes Jahr aufs Neue – auch später, in meiner Jugend, wo ich meine Ferien oft in Istanbul verbrachte.

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