Berlin - Kommt eine Frau die Treppe vom U-Bahnhof hoch und steht am Kottbusser Tor. Sie hat sich verfahren und fragt, Entsetzen im Blick, wo sie hier sei. Eine Wienerin am Kotti. Als Anwohner will man im Erdboden versinken, aber der Platz ist dafür zu dreckig. Läuft man Richtung Wassertorplatz, kann man immer wieder die einfach vors Haus auf die Straße gestellten Möbel der Anwohner ansehen: Küchen, Bettroste, dicke Sofas, Wäsche. Die Kommune müht sich, den Sperrmüll wegzuräumen. Aber es quillt schnell neuer hervor. Trotz Videoüberwachung. Bürgerputzaktionen wie an diesem Wochenende helfen nur für einen Moment.

Mokiert sich ein Auswärtiger über den Berliner Dreck, lautet eine trotzige Abwehrreaktion: Hier sieht’s eben nicht aus wie in einer Kleinstadt im Südwesten, dafür ist Berlin bunt. Was für ein dummer Spruch. Er sagt: Bunt ist dreckig. Verstehe einer diese Logik. 

Bunt und sauber - das ist möglich

Wieso sollte eine bunte Stadt nicht nett aussehen, mit wenig Glasscherben in Grünanlagen, wo Kinder und Tiere rumlaufen? Man kann nun auf die Grünflächenämter zeigen, die womöglich falsche Schwerpunkte setzen. Man kann daran erinnern, dass die Grünpflege kleingespart und kaputtorganisiert wurde. Aber zur Wahrheit gehört auch: Der Dreck kommt nicht von allein dorthin. Bürgerinnen und Bürger lassen ihn einfach fallen. Womöglich  haben sich zu viele Leute an den Dreck gewöhnt und werfen ihren dazu.

Kontrollieren und bestrafen

Das bleibt folgenlos: Haben Sie schon einmal erlebt, dass solches Fehlverhalten ordnungsamtlich sanktioniert wurde? Laut Bußgeldkatalog kostet das Wegwerfen oder Liegenlassen von Kleinmüll wie Pappbechern, Zigarettenschachteln oder Bananenschalen 35 Euro. Großstädte wie Wien flankieren ihre Stadtreinigung mit Bußgeldern gegen Vermüller. Das kann Berlin auch – damit es sauber, bunt und sexy wird.