Berlin - Endlich war wieder dieser Abend mit den Freunden angesagt. Früher, in fast vergessenen Zeiten, gingen wir einmal pro Woche ins Kino und in die Kneipe. Uns war es immer zu wenig, einfach nur in der Kneipe geistreiche Getränke zu trinken und geistlose Gespräche zu führen. Deshalb die Sache mit dem Kino. Kino ist Kultur, muss aber nicht immer ausufernd lang sein und nicht immer bleischwer intellektuell. Aber doch anregend genug für eine saftige Abendunterhaltung danach.

Dann kam Corona und damit die Schließung der Kinos und Kneipen sowie die Zwangseinweisung auch unseres Freundeskreises in die heimischen Wohnungen. Wir treffen uns noch immer jede Woche, nur eben nicht real, sondern virtuell.

Der Abend soll sich von der vorherigen Realität unterscheiden: Wir hätten auch einen schönen Fernsehfilm aussuchen können, den jeder zu Hause schaut und über den wir hinterher in der Videokonferenz reden. Aber die Sache soll ja nur eine Übergangslösung sein. Sie sollte zwar Spaß machen, aber nicht zu viel. Nicht, dass wir an der virtuellen Realität mehr Spaß haben als am echten Leben.

Bereits die 23. Woche ohne echtes Treffen 

Nun stand also wieder dieser Abend an, und ich bereitete alles vor: den Computer, die Kopfhörer, die weichen Kissen, das Bier. Dann wählte ich mich in die Telefonkonferenz ein. In den vergangenen 23 Wochen – so lange dauert die Abwesenheit des echten Lebens bereits – hat es jedes Mal geklappt.

Dieses Mal nicht. Ich war verzweifelt. Wählte mich immer wieder neu ein, schaltete das Internet aus und ein. Alle anderen Internetseiten funktionierten, nur jene nicht, die ich gerade ganz nötig brauchte. Ich telefonierte mit den Freunden, bekam viele Ratschläge und erntete viel Häme über meine technische Hilflosigkeit. Ich schaltete den Computer aus und an. Ich machte alles mögliche und unmögliche. Immer kam die gleiche Fehlermeldung.

Ich hielt fast zwei Stunden durch, dann gab ich auf. Es war ein eindeutiges Zeichen: Es reicht! Wir haben uns alle halbwegs bequem eingerichtet in dieser seltsamen Zwischenzeit. Aber nun ist es genug. Ich will nicht länger von irgendwelchen technischen Hilfsmitteln abhängig sein und von ihren und meinen Unzulänglichkeiten – um Freunde zu treffen.

In der realen Welt war es so einfach: Wir verabredeten uns, trafen uns zur vereinbarten Zeit und dann begann der Abend. Nun sollen die Biergärten wieder öffnen. Für unser nächstes Treffen sind elf Grad vorhergesagt und Regen. Vielleicht sitzen wir in regenfesten Winterklamotten im Biergarten. Oder ich versuch’s doch noch mal mit der virtuellen Realität.