Mitte - Niemand soll das Schmuckstück neben dem Roten Rathaus anfassen, kein Investor, keine nassforsche Baufirma, kein Bagger! Das Nikolaiviertel wird vom Senat komplett unter Denkmalschutz gestellt. Das wurde der Berliner Zeitung bestätigt. Was gut für die Stadt ist, ist schlecht für alle, die mit Wohnungen und Geschäften Geld machen wollen.

Es ist so ziemlich das älteste Stadtviertel in Berlin. Im 13. Jahrhundert erbaut, im Zweiten Weltkrieg von Bomben zerstört und 1987 zur 750-Jahr-Feier der Stadt von der SED-Regierung  aufgebaut und aufgehübscht: das Nikolaiviertel.

Der Bezirk Mitte hat schon länger vor, das 50.000 Quadratmeter große Areal  komplett unter Denkmalschutz zu stellen. Das Bezirksparlament hat seit Jahren Druck ausgeübt.

„Der Denkmalschutz für das Nikolaiviertel kommt definitiv“

Jetzt machen Landesdenkmalamt und Senat ernst. Baustaatssekretärin Regula Lüscher teilt mit: Die Eintragung des Denkmalbereichs auf die Denkmalliste werde in absehbarer Zeit erfolgen – nach Vorliegen der dafür notwendigen Voraussetzungen.

Eine Sprecherin der Kulturverwaltung löst das Amtsdeutsch auf: „Der Denkmalschutz für das Nikolaiviertel kommt definitiv, die Prüfung wird doch nicht ohne Grund gemacht.“ Ähnlich drückt es eine Sprecherin der Bauverwaltung aus.

Politik-Veteran und Ex-Innensenator Frank Henkel (54, CDU) fragte beim Senat nach und brachte die Causa Nikolaiviertel erneut ins Rollen. Ihm ist  der Bezirk Mitte natürlich noch ein Anliegen. Henkel kandidierte hier zuletzt als Bundestagskandidat und unterlag der SPD-Frau Eva Högl. Auch wenn er zuletzt Misserfolg hatte, zeigt Henkel jetzt, dass er immerhin die Arbeit als Berliner Abgeordneter ziemlich gut beherrscht. 

Die Wiege Berlins

Der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) gehören die meisten Häuser im Nikolaiviertel. Dazu zählen 33 Ladengeschäfte, 22 Restaurants und rund 800 Wohnungen mit 2000 Bewohnern. Zuletzt  wollte die WBM die historischen Arkaden des Viertels verändern. Doch daraus wird anscheinend nichts. Bis Ende März soll der Denkmalschutz amtlich sein, teilt der Senat mit.

Die Politiker im Abgeordnetenhaus atmen auf. Daniel Buchholz (SPD): „Vor 800 Jahren war hier die Wiege Berlins. Das Nikolaiviertel als Denkmal zu schützen ist absolut richtig. Es geht um den Erhalt der teilweise originalen Bausubstanz, aber auch das Erlebnis eines historischen Viertels.“